JA zur einer klima- und umweltfreundlichen Schweiz

Die Energiestrategie 2050 setzt auf Energieeffizienz und einheimische, erneuerbare Energien. Sie fördert und unterstützt die Energiewende, die global gesehen schon längst läuft. Die Energiestrategie 2050 ist eine Grundhaltung und rüstet unser Land für eine klima- und umweltfreundliche Zukunft.

Von Myriam Stucki

Neben den grossen Organisationen aus den Bereichen Heimat-, Natur-, Landschafts- und Umweltschutz setzen sich noch viele, viele weitere Akteure für die Energiestrategie ein. Der Bundesrat, das Parlament, alle Parteien (ausser der SVP), Bauern, Gewerbler, der Wasserwirtschaftsverband, Städte, Kantone, wichtige Köpfe der Wirtschaft u.a.m. – alle machen sich stark für die Energiestrategie 2050.

Die Gründe sind vielfältig. Warum die Energiestrategie uns auch im Umwelt- und Klimaschutz weiterbringt, illustrieren drei ausgewählte Schwerpunkte: der Ausstieg aus der Atomkraft, der Schutz kleiner Fliessgewässer sowie die Reduktion von CO2-Emissionen in den Bereichen Verkehr und Gebäude.

Atomausstieg – weg von Risiko und Radioaktivität!

Die Energiestrategie 2050 enthält ein Neubauverbot für Atomkraftwerke sowie ein Wiederaufbereitungsverbot für Brennstäbe. Die Vorlage führt also zum schrittweisen Ausstieg aus der Atomenergie. Das ist gut, denn die Aspekte «Sicherheit heute» und «radioaktiver Abfall morgen und für alle zukünftigen Generationen» stellen für unsere Umwelt ein immenses Risiko dar.

Das ist seit Fukushima allen klar. Doch auch in der Schweiz werden wegen Sicherheitsmängeln immer wieder AKW vom Netz genommen. Den Überblick zu haben, welches nun läuft und welches gerade nicht, gleicht immer mehr einem Glücksspiel. Neben dem Umweltaspekt gibt es einen weiteren wichtigen Punkt, warum die AKW längerfristig vom Netz müssen: Sie bergen ein ökonomisches Risiko. Nachrüstungen in die Sicherheit sind indessen so hoch oder werden so arg steigen, dass der Betrieb der AKW unrentabel wird, bzw. Atomstrom entsprechend teuer ist. Deshalb hat beispielsweise die Betreibergesellschaft BKW Energie AG 2013 aus unternehmerischen Gründen entschieden, das Kernkraftwerk Mühleberg 2019 abzuschalten. Sie kam zum Schluss, dass die für einen Langzeitbetrieb notwendigen Investitionen zu hohe wirtschaftliche Risiken enthalten. Ein weiterer Faktor des ökonomischen Risikos sind die ungedeckten Stilllegungs- und Entsorgungskosten. Hier werden am Schluss der Staat und damit wir BürgerInnen die Rechnung bezahlen müssen. Das wird schon bei fünf Reaktoren genügend teuer. Neue AKW würden das Problem nur verschlimmern.

Besserer Schutz für kleine Fliessgewässer

Bild: Daniel Heusser

Die Energiestrategie 2050 verschafft einerseits der Grosswasserkraft, die wegen des tiefen Strommarktpreises in finanziellen Schwierigkeiten steckt, mit einer befristeten Marktprämie den notwendigen Spielraum. Gleichzeitig werden Kleinstwasserkraftprojekte, die mehr schaden als nützen, künftig nicht mehr staatlich gefördert und kleine, natürliche Bäche besser geschützt.

Die Wasserkraft ist das Fundament der Schweizer Energielandschaft. Sie muss auch in Zukunft eine Hauptrolle in unserer Energieversorgung spielen, jedoch ohne dafür noch mehr natürliche kleine Fliessgewässer zu verbauen. Das heisst, dass die Stromerzeugung aus Kleinwasserkraftanlagen unter 1 MW nicht mehr gefördert wird – zu viel Biodiversität würde zerstört, zu wenig Strom würde geliefert. Der Kompromiss – grosse Anlagen beschränkt fördern, kleine nicht fördern – ist somit für den Naturschutz viel besser als die heutige Regelung.

Für eine wirksame Schweizer Klimapolitik

Der Klimawandel ist die wohl grösste Bedrohung für Mensch und Umwelt. Deshalb muss die Schweiz nach ihrem Bekennen zum Pariser Klimaabkommen eine aktive Klimapolitik zur Reduktion der Treibhausgase betreiben. Sie muss ihren Beitrag zum international anerkannten 2-Grad-Ziel leisten. Die Energiestrategie enthält Massnahmen, die den CO2-Ausstoss in der
Schweiz merklich reduzieren.

Die grossen CO2-Emittenten in der Schweiz sind der Verkehr und unsere Gebäude: 2014 verursachte der Verkehr mit 33 % am meisten Treibhausgase, gefolgt von den Gebäuden mit 24 %. Rund zwei Drittel des schweizerischen Energiebedarfs werden mit fossilen Brenn- und Treibstoffen gedeckt. Diese fossilen Energien verursachen im Schnitt drei Viertel der Treibhausgasemissionen der Schweiz. Zugleich sind sie die Hauptquelle für die Luftschadstoffe Feinstaub und Stickoxide.

Im Bereich der Gebäude gibt es bereits heute kantonale Gebäudestandards und das Gebäudeprogramm von Bund und Kantonen. Mit diesem Programm werden Anreize für energieeffiziente Sanierungen geschaffen, um das riesige Energieeffizienzpotenzial unserer Gebäude zu erschliessen. Dieses Gebäudeprogramm ist indes bis 2019 befristet. Mit der Energiestrategie wird das Programm mit mehr Geld aus der CO2-Abgabe weitergeführt, d.h. mit maximal 450 statt 300 Millionen Franken pro Jahr.

Im Sektor Verkehr werden dank der Energiestrategie Autos und Lieferwagen energieeffizienter und stossen damit weniger CO2 aus. Die gesetzlichen CO2-Emissionsvorschriften für neue Personen- und Lieferwagen sollen kontinuierlich verschärft werden. Der Bundesrat schlägt im Rahmen der Energiestrategie 2050 vor, den CO2-Ausstoss der Neuwagenflotte bis Ende 2020 bei Personenwagen im Durchschnitt auf höchstens 95 Gramm CO2 pro Kilometer zu senken. Dank dieses Systems konnten bereits in der Vergangenheit die Emissionen pro Kilometer massiv reduziert werden. Und mit dem neuen Ziel sparen die Autofahrenden durchschnittlich gar 400 Franken pro Jahr an Benzinkosten. Die Energiestrategie ist also nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch fürs Portemonnaie.

 

Die Energiestrategie 2050 kann noch viel mehr!

Drei weitere Gründe, die aus Umweltsicht für die Energiestrategie sprechen, sind die Förderung der Energieeffizienz, der bessere Schutz der Biotope von nationaler Bedeutung und natürlich die verstärkte Förderung und der forcierte Ausbau der erneuerbaren Energien.

  • Ein effizienter Umgang mit Energie spart nicht nur Geld, sondern kommt der Umwelt und dem Klima zugute. Denn Energie, die wir nicht brauchen, müssen wir weder importieren noch zubauen. Damit vermeiden wir Biodiversitäts- und Klimaschäden!
  • Was uns die Natur auch verdanken wird, ist der besserer Schutz für Biotope von nationaler Bedeutung. In Mooren, Auengebieten, Amphibienlaichgebieten oder Trockenwiesen sind neue Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien künftig von Gesetzes wegen ausgeschlossen. Denn der Ausbau erneuerbarer Energien lässt sich bewerkstelligen, ohne diese Gebiete zu beeinträchtigen.
  • Und vor allem gilt es, die zusätzlichen Fördermittel für die erneuerbare Energieproduktion aus Sonne, Wasser, Biomasse, Wind und Geothermie zu erwähnen, damit die Schweiz von der heutigen unsicheren nuklearen und schmutzig-fossilen Energieversorgung wegkommt.

Die Autorin

Myriam Stucki ist Kommunikationsberaterin Klima & Energie beim WWF Schweiz.

Dieser Artikel ist im Magazin «Energie & Umwelt», Ausgabe 2/2017, erschienen.

Lesen

Abonnieren

Ich abonniere das Magazin «Energie und Umwelt» für CHF 30.-/Jahr.

Anrede

Kontakt

Reto Planta

Reto Planta
Leiter Finanzen & Administration

044 275 21 21
E-Mail