Atommüll ist mehr als 1'000'000 Jahre lang gefährlich

  • Atommüll ist ein strahlendes Erbe für 1 Million Jahre.
  • Bis heute hat kein Land eine «Lösung» für die sichere Langzeitlagerung des hochradioaktiven Mülls.
  • Die Entsorgungskosten müssen die kommenden Generationen zahlen.

Ein Lager für radioaktiven Müll muss über 1'000'000 Jahren gekennzeichnet werden Hochradioaktive Abfälle sind abgebrannte UranbrennstäbeHeute lagert der Schweizer Atommüll an verschiedenen Standorten und wartet auf eine Lösung©Signum/GreenpeaceHochradioaktive Abfälle strahlen noch 983'000 Jahren länger.

Radioaktivität bezeichnet die Eigenschaft instabiler Atomkerne, sich ohne äussere Einwirkung in andere Kerne umzuwandeln und dabei Strahlung auszusenden. Radioaktivität wird durch die Art der Strahlung (Alpha-, Beta-, Gammastrahlung) und durch die Halbwertszeit definiert. Die Halbwertszeit bezeichnet die Zeit, in der radioaktive Strahlung auf die Hälfte abgeklungen ist. Die Strahlung reduziert sich jedoch nicht gleichmässig, sondern zu Beginn deutlich schneller und dann immer langsamer, so dass eine reduzierte radioaktive Belastung noch über Jahrtausende messbar bleibt. Radioaktive Strahlung kann in kleinsten Mengen tödlich sein.
 
Atommüll ist kein Haushaltsmüll. Radioaktive Elemente zerfallen ständig weiter. Gewisse strahlen über tausende von Generationen und sind extrem giftig. Bereits ein Gramm Plutonium kann tödlich sein. Im Gegensatz zu chemischem Abfall kann Atommüll nicht verbrannt werden. Es gibt zwar Forschungsansätze, um die Radioaktivität zu reduzieren (Transmutation), doch die Machbarkeit ist in ungreifbarer Ferne. Radioaktivität ist auch ansteckend. Die meisten Stoffe, die mit ihr in Berührung kommen, werden kontaminiert und strahlen ebenfalls – der Müll vervielfältigt sich. Der einzig sichere Umgang mit Atommüll ist, ihn von der Menschheit fernzuhalten, solange er strahlt – also 1'000'000 Jahre.
 
Woher kommt der Abfall? Das natürliche Uranerz befindet sich in geringer Konzentration im Erdboden und ist radioaktiv. Für die Stromerzeugung wird es konzentriert, chemisch verändert und zu Brennstäben verarbeitet. Nach der Verwendung in einem AKW sind die gebrauchten Brennelemente hoch radioaktiv. Das grösste Problem der Radioaktivität ist, dass sie weder sicht-, hör- noch fühlbar ist und trotzdem Organe und Erbsubstanzen beschädigt – unwiderruflich. Schon beim Bau des ersten AKW war klar: Ein Reaktor produziert radioaktiven Müll, der bis zu einer Million Jahre lang von Menschen ferngehalten werden muss. Nach dem Rückbau der Schweizer AKW werden ca. 100'000m3 radioaktiver Abfall vorhanden sein. Das entspricht etwa dem Volumen der Halle des Zürcher Hauptbahnhofs.
 
Schwach- und mittelradioaktive Abfälle (SMA) sind entweder in AKW mit Radioaktivität kontaminiert worden oder stammen aus Medizin, Industrie und Forschung. Bei den hochradioaktiven Abfällen (HAA) handelt es sich vor allem um abgebrannte Brennstäbe aus den AKW. Sie strahlen stark und geben Wärme von ungefähr 300 Grad Celsius ab, was die Lagerung sehr schwierig macht. Die Schweiz hat fünf Reaktoren gebaut, ohne ernsthaft nach einer Lösung zu suchen. Heute wartet der Atommüll in einem oberirdischen Zwischenlager (ZWILAG) und in Lagern neben den Atomkraftwerken.
 
Wiederaufbereitung verschlimmert das Problem. Die Wiederaufbereitung von abgebrannten Elementen vervielfacht das Volumen von radioaktivem Müll. Bei der Wiederaufbereitung gelangen erheblich grössere Mengen radioaktiver Substanzen in die Umwelt als beim Betrieb eines Atomkraftwerks (auf dieselbe Brennstoffmenge bezogen). Die Wiederaufbereitungsanlagen sind zudem unwirtschaftlich und dienen vor allem der Produktion von waffenfähigem Plutonium.

Atommüll xy ungelöst.
Nach nun mehr als 40 Jahren intensiver Forschung in der Entsorgung des Atommülls bleiben diverse Probleme ungelöst. Unbekannt sind zum Beispiel technische Aspekte wie die Auswirkung der Gas- und Wärmeentwicklung des strahlenden Mülls auf Behälter und Umgebungsgestein. Es ist auch unklar, wie die Standorte für die nachfolgenden 33’000 Generationen gekennzeichnet werden sollen und wie unsere Nachfahren vor Bohrungen in den verseuchten Untergrund gewarnt werden können. Die Suche nach dem sichersten Ort und Konzept wird in der Schweiz wie im Ausland noch Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte dauern. Deshalb fordert die SES reversible Lösungen auf Zeit, anstatt Nagra-Scheinlösungen für alle Ewigkeit.  

 
» Position der SES zu Atommüll
» Die 12 ungelösten Fragen der Schweizer Atommüllentsorgung