Neue SES-Studie: Atomstrom kostet 36 Rappen pro Kilowattstunde

Medienmitteillung, Zürich, 22. November 2013 – Einmal mehr korrigiert der Bund die Stilllegungs- und Entsorgungskosten für unsere 5 alten AKW nach oben. Und einmal mehr sagt die SES dazu: Das sind illusorische Schönwetterprognosen. Die Kosten werden höchstwahrscheinlich massiv höher sein.

Um diese Aussage noch besser abstützen zu können, haben wir uns auf die Suche nach den versteckten Kosten unserer Atomkraftwerke gemacht. In der neuen Studie «Atomvollkosten – Was der Atomstrom wirklich kostet» können Sie nachlesen, was uns der Schweizerische Atomstrom „all inclusive“ dereinst kosten könnte.

Für die Kostenberechnung haben wir wie der Bund eine Laufzeit von 50 Jahren angenommen sowie die bisherigen Forschungsausgaben und realistischen Eigenkapitalkosten aufgerechnet. Nicht dabei sind die „Nebenkosten“ des Uranabbaus. In drei Szenarien variieren wir dann die Versicherungsprämien und „Back-End-Kosten“ für Stilllegung und Entsorgung.

Das Resultat:
Atomstrom kostet pro Kilowattstunde „all inclusive“ zwischen 16 und 59 Rappen die Kilowattstunde. Bereits die vom Bundesrat geforderte 30% Reserve für die Entsorgung plus die Versicherungskosten für einen mit Fukushima vergleichbaren Unfall würde den Atomstrom um 11 Rappen/kWh verteuern. Rechnet man aufgrund praktischer Erfahrungen beim Bau von Grossprojekten (etwa NEAT) einen „Sicherheitszuschlag“ von 100% beim Endlagerbau hinzu, und geht man von der fiktiven Schadenssumme aus, die das Bundesamt für Zivilschutz für einen Störfall in der Schweiz berechnet hat, kostet der Atomstrom 36 Rappen. Auf 59 Rappen schlägt das Pendel aus, wenn wir Unfallkosten aus deutschen Studien und die jährliche Verteuerung der Endlager-Baukosten hinzuziehen.

Wenn wir nicht wollen, dass künftige Generationen die Entsorgungskosten berappen müssen, dann müssten wir den Entsorgungsfonds jetzt massiv vergrössern. Wenn wir nicht wollen, dass wie in Japan das Volk für die Kosten der Kernschmelze aufkommen  muss, dann müssten wir endlich eine ernsthafte Haftpflichtversicherung für AKW-Betreiber einführen. Denn niemand entschädigt Ihnen heute den Wert Ihrer Immobilie, wenn Sie diese wegen eines Atomunfalls für Jahrzehnte verlassen müssen.

Florian Brunner, der Autor der Studie, kommt zum Schluss: «Niemand weiss genau, wie teuer uns die 50 Jahre Schweizer Atomstrom dereinst zu stehen kommen, aber schon heute ist sicher, dass jede hier produzierte Kilowattstunde teurer gewesen sein wird, als der Strom aus Wasserkraft“.

Weitere Informationen: Florian Brunner, SES-Projektleiter Atom&Strom


» Studie als PDF zum Downloaden

» Interview mit Florian Brunner, Autor der Studie

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