Die Schweiz bleibt das Schlusslicht!

SES-Medienmitteilung 2. Mai 2013 - Vergangene Woche hat das EU-Projekt «EurObserv'ER» die aktuellen Daten der Photovoltaikproduktion 2012 in der EU veröffentlicht. Bereits zum zweiten Mal hat nun die Schweizerische Energie-Stiftung SES untersucht, wie die Schweiz bei der Produktion von Strom aus Windkraft und Photovoltaik im Vergleich mit dem europäischen Umland abschneidet. Leider hat sich seit dem Vorjahr wenig getan: Die Schweiz liegt nach wie vor abgeschlagen auf dem letzten Platz. Um die Grössenunterschiede der Länder zu berücksichtigen, wurde erneut die Stromproduktion pro EinwohnerIn betrachtet.

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Innerhalb der nächsten Jahre gilt es für die Schweiz 40% Atomstrom zu ersetzen, dies zu einem grossen Teil mit Hilfe von Windkraft und Photovoltaik. Dass dies innert nützlicher Frist möglich ist, beweisen unsere Nachbarländer. Doch in der Schweiz schreitet dieser Prozess nur schleppend voran. Deshalb verharrt die Schweiz im SES-Ranking auf dem letzten Platz - die Distanz zu den Top drei wird sogar grösser. In Deutschland wird pro EinwohnerIn mittlerweile 15mal so viel Strom aus Sonne und Wind gewonnen wie in der Schweiz.

Vergleichbare Länder mit riesigem Vorsprung
Es sind nicht nur Länder wie Deutschland und Italien, die der Schweiz voraus sind. Auch Länder, die wie die Schweiz ohne Zugang zum Meer (und damit ohne Küstenwinde) sind und allesamt nördlicher liegen als die Schweiz (und damit über weniger Sonneneinstrahlung verfügen), haben einen meilenweiten Vorsprung: Tschechien produziert mehr als 4mal so viel Strom pro EinwohnerIn aus Photovoltaik. In Österreich wird beinahe 26mal so viel Strom pro EinwohnerIn aus Windkraft produziert, in Belgien immerhin 22mal soviel wie in der Schweiz. Und selbst das kleine Luxemburg ist der Schweiz nach wie vor voraus. Mit einer nur noch etwas mehr als 3mal so grossen Stromgewinnung aus Wind und Sonne pro EinwohnerIn konnte die Schweiz hier ihren Abstand immerhin etwas verkleinern.

Photovoltaik wird ausgebremst
Der Zubau der neuen Erneuerbaren wird durch die Politik des Bundes künstlich blockiert: Der Bundesrat will die Photovoltaik mittels Kontingenten ausbremsen und das Bundesamt für Energie benachteiligt die Technologie bei der Vergabe der Gelder aus der kostendeckenden Einspeisevergütung KEV. So wird in der Energiestrategie 2050 vorgeschlagen, zukünftig den jährlichen Zubau auf 50 MW zu begrenzen – letztes Jahr wurden in der Schweiz 160 MW zugebaut. Der Markt soll also geschrumpft werden. Dazu kommt, dass  KEV-Gelder Projekten zugewiesen werden, die zum Beispiel aus naturrechtlichen Gründen blockiert sind, anstatt schnell und problemlos realisierbaren Photovoltaik- und Windprojekten. Auf diese Weise kann das Geld gar nicht ausgegeben werden und die Schweiz produziert eine Warteliste statt Strom.

Mit einer «entdeckelten» KEV könnte die Warteliste abgebaut und in reale Stromproduktion umgewandelt werden. Heute warten auf dieser Liste bereits 21'624 Photovoltaik- und 328 Windprojekte mit einem Produktionspotenzial von über 2,2 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr. Das entspricht knapp der Jahresproduktion des AKW Mühleberg!

Die Schweizerische Energie-Stiftung SES fordert die Schweizer Politik, die Behörden und die Stromwirtschaft auf, beim Zubau erneuerbarer Energien endlich vorwärts zu machen. Wir wollen nicht das Schlusslicht bleiben!

» Vergleich Zahlen von 2011 (Medienmitteilung 28. September 2012)

Weitere Informationen:
Felix Nipkow, Projektleiter Strom&Erneuerbare
044 275 21 28
felix.nipkow@energiestiftung.ch

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