AKW-Sicherheit ist kein Small Talk-Thema!

Medienmitteilung, Zürich, 4. September 2012 - Gegen die vom ENSI als «Öffentliches Forum» deklarierte Veranstaltung protestieren AKW-Gegner-Organisationen drinnen wie draussen. Der Anlass wird als «Talkshow» bezeichnet, weil eine ernsthafte und vertiefte Diskussion zu technischen Sicherheitsfragen und strukturellen Mängeln der Atomaufsicht nicht möglich ist. Greenpeace und die Schweizerische Energie-Stiftung (SES) forderten im Vorfeld der Veranstaltung vergeblich umfangreiche Experten-Hearings. Auch die beim ENSI eingereichten Fragen blieben bis gestern unbeantwortet. «Was hier stattfindet ist eine PR-Show. Das ist der Nährboden für ein weiteres Fukushima», brachte es Kaspar Schuler von Greenpeace auf den Punkt.

» Zum Sünden-Register des ENSI

Nach der Katastrophe von Fukushima erliess das ENSI relativ zügig und entschlossen eine Reihe von Verfügungen zur Überprüfung der Sicherheit in den Schweizer Atomkraftwerken. Die Schweiz nahm nach anfänglichem Zögern auch an den EU-Stresstests teil.

Diese Untersuchungen förderten Mängel zu Tage, die kritische Kreise seit Jahren brandmarkten - wie etwa die fehlende Wärmesenke in Mühleberg und unterlassene oder verschleppte Nachrüstungen in Beznau. Das ENSI blieb seiner laschen Linie treu und liess die Werke trotz offensichtlicher Mängel weiterlaufen. Neben dem Vorwurf der zu grossen Nähe zur Atomwirtschaft und der Wahrung derer Interessen wurde auch Kritik durch das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts laut. Auch die IAEA-Delegation stellte dem ENSI nicht nur gute Noten aus.

Das ENSI verstärkte in der Folge die Sektion Kommunikation, wogegen sicherheitstechnische Fragen auf der langen Bank zu schmoren scheinen. «Diese Veranstaltung verklärt einmal mehr den Blick auf die offenen Sicherheitsfragen und die ungelösten strukturellen Probleme unserer Atomaufsicht», sagt Jürg Buri von der Schweizerischen Energie-Stiftung SES, «daran ändert auch die politische Schützenhilfe von Bundesrätin Leuthard nichts».

In der Zwischenzeit bestimmen die AKW-Betreiber nämlich wieder den Takt. Sie liefern dem ENSI mangelhafte Nachrüstkonzepte, üben sich in Scheinabklärungen und schinden Zeit, um notwendige Investitionen hinauszuzögern. Resultat: Nachrüstungen erfolgen viel zu spät und unter Gewährung von viel zu langen Fristen - und auf Kosten der Sicherheit der Bevölkerung.

Die unterzeichnenden Organisationen fordern das ENSI, das UVEK und das Parlament auf, dafür zu sorgen, dass uns Ereignisse wie in Japan erspart bleiben. Dazu braucht es schärfere gesetzliche Vorgaben für die Aufsichtsbehörden (Abschalten bis geflickt!), eine fundierte Zweitmeinung (4-Augen-Prinzip), den Ausbau der KNS und eine neue Sicherheitskultur beim ENSI.


Weitere Informationen ab 12.30 Uhr (Schluss der Veranstaltung):

  • Kaspar Schuler, Leiter Energie&Klima, Greenpeace Schweiz, 079 702 86 52
  • Florian Kasser, chargé de campagne Nucléaire, Greenpeace Suisse, 076 345 26 55 (f)
  • Jürg Buri, Geschäftsleiter Schweizerische Energie-Stiftung SES, 078 627 84 14

Dies ist eine gemeinsame Medienmitteilung der Schweizerischen Energie-Stiftung SES, Greenpeace, WWF, NWA und sortir du nucléaire

Fotos der Aktion vor dem ENSI in Brugg

(für Print-Qualität gewünschtes Foto anklicken)

Fotos: Siggi Bucher

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