Stilllegungs- und Entsorgungsfonds: SES fordert höhere Beiträge

Bund und Steuerzahlende laufen grosse Gefahr, dereinst hohe Kosten für die Stilllegung und vor allem für die Entsorgung der Schweizer AKW übernehmen zu müssen. Die SES fordert deshalb vom UVEK, die Beitragshöhe in die Stilllegungs- und Entsorgungsfonds nach oben zu korrigieren.

Im Frühjahr 2018 wird das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) die Höhe für die Beiträge der AKW-Betreiber in die Stilllegungs- und Entsorgungsfonds für den Rückbau der Schweizer AKW festsetzen. Die SES hat zusammen mit dem unabhängigen Ökonomen Kaspar Müller und dem Öko-Institut Darmstadt die Kostenprognose aus der Kostenstudie 2016 sowie die darauf fussende Beitragsberechnung gemäss Stilllegungs- und Entsorgungsfondsverordnung analysiert und festgestellt: Die Mängelliste ist lang.

Überall Idealbetrachtungen

«Überall werden ideale Szenarien angenommen, während insbesondere die finanziellen Risiken ausgeblendet werden», kritisiert der Ökonom Kaspar Müller in seiner Analyse. Die desolate finanzielle Lage der Betreiber führe z.B. zur Bonitätsfrage, ob und wie lange die AKW-Betreiber in der Lage sind, Beiträge zu leisten.

Stefan Alt, Geologe am Öko-Institut hat vor allem die Kostenprognose für den Bau des geologisches Tiefenlagers unter die Lupe genommen. «Das Projekt ist auf über 100 Jahre ausgelegt. Doch zahlreiche Ungewissheiten wie das Ausscheiden eines Standorts oder geologische Risiken werden kostenseitig kaum betrachtet.»

Die best-case-ähnliche Betrachtung zieht sich auch in der von der SES untersuchten Terminplanung weiter. Bei einer realistischen Terminplanung zeigen die Szenarien der SES einen zusätzlichen Zeitbedarf von 38 Jahren gegenüber des offiziellen Zeitplans. SES-Projektleiter Nils Epprecht warnt: «Die Stilllegung der AKW steht bevor. Nicht nur, dass wir noch kein Lager für den radioaktiven Abfall haben, auch deren Kosten bleiben ein Buch mit sieben Siegeln.» Die SES fordert deshalb für den Bereich der Entsorgung einen Sicherheitszuschlag im Sinne eines Puffers von 100% bei den Fondsbeiträgen.

Damit schlussendlich nicht die Steuerzahlerinnen und -zahler zur Kasse gebeten werden, hat die SES 2017 eine Petition lanciert, welche innert vier Wochen von rund 5'500 Unterzeichnenden unterstützt worden war. 

Überprüfung Kostenstudie 2016

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Artikel von André Lambert, ETH-Geologe, Projektleiter Nagra a.D.