Der geplatzte Traum von der Bombe

An der gestrigen Abendveranstaltung hat die SES auf das Reaktorunglück im Versuchsreaktor in Lucens (VD) und die Anfänge der Nukleratechnologie in der Schweiz zurückgeblickt. Dabei gingen die eingeladenen Experten auch auf die Zusammenhänge zwischen zivilier und militärischen Nutzung der Atomkraft ein.

Am 21. Januar 1969 kam es im Versuchsreaktor in Lucens (VD) zu einer Kernschmelze, die bis heute zu den schwersten Atomunfällen der Welt zählt, glücklicherweise aber keine bleibenden Schäden hinterliess. Die Schweizerische Energie-Stiftung (SES) hat den 50. Jahrestag zum Anlass genommen, um auf die Anfänge der Atomenergie in der Schweiz zurückzublicken. Rund 100 Personen nahmen an der Veranstaltung teil.

Der Lucens-GAU

Zum Auftakt der Veranstaltung las der Physiker, Chemiker und Romanautor Peter Beutler aus seinem Krimi «Der Lucens-GAU» vor. Spannend verpackt schildert Beutler Fakten und Hintergründe aus der Zeit vor 50 Jahren.

Die Schweiz im Atomfieber

Der Historiker Michael Fischer erläuterte dann, dass wohl auch militärische Interessen und der Traum einer Atombombe «made in Switzerland» in den Zeiten des kalten Kriegs den Anstoss dazu gegeben hätten, einen eigenen Schwerwasserreaktor zu entwickeln. Dieser hätte als Nebenprodukt waffenfähiges Plutonium geliefert. In seinem Buch «Atomfieber», welches am 1. April im Hier+Jetzt-Verlag erscheint, zeichnet er in einer Analyse historischer Quellen diesen Weg nach.

Zivile und militärische Beweggründe verschmelzen

Der Energie- und Atompolitikberater Mycle Schneider, welcher jährlich den World Nuclear Industry Status Report publiziert, spannte im zweiten Referats des Abends den Bogen zur Situation heute: Weltweit werden Neubau und Weiterbetrieb von alternden AKW immer teurer, erneuerbare Energien dagegen immer billiger. Trotzdem halten vor allem Atomwaffenstaaten an der Technologie fest. Schneider zeigt, dass eine neue zivil-militärische Allianz in diversen Ländern zu einem Treiber für Neubau und Laufzeitverlängerungen bestehender AKW geworden ist - etwa, wenn der «Sitz im UN-Sicherheitsrat auch von der Weiterführung des nuklearbetriebenen U-Boot-Programms abhängt.»

» Die Referate (Folien) auf unserer Webseite

 

Valentin Schmidt

Valentin Schmidt
Leiter Kommunikation

Tel. 044 275 21 23
Mail:
valentin.schmidt@energiestiftung.ch
Twitter: @energiestiftung.ch

Veranstaltungsflyer (.pdf)

Bilder zur Veranstaltung

SES-Umfrage Lucens 1969

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Der geplatzte Traum von der Bombe

An der gestrigen Abendveranstaltung hat die SES auf das Reaktorunglück im Versuchsreaktor in Lucens (VD) und die Anfänge der Nukleratechnologie in der Schweiz zurückgeblickt. Dabei gingen die eingeladenen Experten auch auf die Zusammenhänge zwischen zivilier und militärischen Nutzung der Atomkraft ein.

Am 21. Januar 1969 kam es im Versuchsreaktor in Lucens (VD) zu einer Kernschmelze, die bis heute zu den schwersten Atomunfällen der Welt zählt, glücklicherweise aber keine bleibenden Schäden hinterliess. Die Schweizerische Energie-Stiftung (SES) hat den 50. Jahrestag zum Anlass genommen, um auf die Anfänge der Atomenergie in der Schweiz zurückzublicken. Rund 100 Personen nahmen an der Veranstaltung teil.

Der Lucens-GAU

Zum Auftakt der Veranstaltung las der Physiker, Chemiker und Romanautor Peter Beutler aus seinem Krimi «Der Lucens-GAU» vor. Spannend verpackt schildert Beutler Fakten und Hintergründe aus der Zeit vor 50 Jahren.

Die Schweiz im Atomfieber

Der Historiker Michael Fischer erläuterte dann, dass wohl auch militärische Interessen und der Traum einer Atombombe «made in Switzerland» in den Zeiten des kalten Kriegs den Anstoss dazu gegeben hätten, einen eigenen Schwerwasserreaktor zu entwickeln. Dieser hätte als Nebenprodukt waffenfähiges Plutonium geliefert. In seinem Buch «Atomfieber», welches am 1. April im Hier+Jetzt-Verlag erscheint, zeichnet er in einer Analyse historischer Quellen diesen Weg nach.

Zivile und militärische Beweggründe verschmelzen

Der Energie- und Atompolitikberater Mycle Schneider, welcher jährlich den World Nuclear Industry Status Report publiziert, spannte im zweiten Referats des Abends den Bogen zur Situation heute: Weltweit werden Neubau und Weiterbetrieb von alternden AKW immer teurer, erneuerbare Energien dagegen immer billiger. Trotzdem halten vor allem Atomwaffenstaaten an der Technologie fest. Schneider zeigt, dass eine neue zivil-militärische Allianz in diversen Ländern zu einem Treiber für Neubau und Laufzeitverlängerungen bestehender AKW geworden ist - etwa, wenn der «Sitz im UN-Sicherheitsrat auch von der Weiterführung des nuklearbetriebenen U-Boot-Programms abhängt.»

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Leiter Kommunikation

Tel. 044 275 21 23
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