Jahresbericht 2017

Das SES-Jahr 2017 stand ganz im Zeichen der Veränderungen: Mit dem Ja der Schweizer Stimmbevölkerung zum ersten Massnahmenpaket der Energiestrategie 2050 im Mai wurden die Weichen für die Energiewende gestellt. Erstmals in der Geschichte ist ein Neubauverbot für AKW gesetzlich verankert. Die groben Rahmenbedingungen für den Ausstieg aus der Atomenergie und für die Förderung von erneuerbaren Energien und Energieeffizienz sind gesetzt.

Veränderungen gab es auch auf der Geschäftsstelle: Ende März hat Jürg Buri die SES nach 13 Jahren als Geschäftsleiter verlassen. Seine Nachfolgerin Rita Haudenschild hat anfangs April mit einem kleinen Pensum begonnen und übernimmt die Geschäftsleitung ab 2018 vollends. Der Stiftungsrat konnte mit zwei neuen Mitgliedern verstärkt und thematisch verbreitert werden: Doris Elmer bringt vielseitige Erfahrungen aus der NGO-Welt mit und mit Dr. Marco Spadin baut die SES die juristische Kompetenz aus.

SES-Highlights 2017

Januar. Die SES begrüsst den Entscheid der nationalrätlichen Energiekommission, das geplante Lenkungssystem in der vorliegenden Form zu beerdigen. Die SES hatte das Klima- und Energielenkungssystem (KELS) von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf bereits in der Vernehmlassung als zu wenig zielführend kritisiert. Ausgerechnet beim Treibstoff, bei welchem die Lenkungsabgabe am dringendsten wäre, war keine vorgesehen. Zudem sollten heute funktionierende Förderprogramme abgeschafft werden, bevor eine Lenkungswirkung überhaupt eintreten kann. Im weiteren Verlauf des Jahres versenkt das Parlament die Vorlage.

März. Sechs Jahre nach der Fukushima-Katastrophe steht die Schweiz vor einer der wichtigsten energiepolitischen Volksabstimmungen der letzten Jahrzehnte. Japans Ex-Premierminister Naoto Kan appelliert in einer Videobotschaft an die Schweiz, die Energiewende rasch voranzutreiben, und erläutert, wieso die Katastrophe in Fukushima noch lange nicht vorbei ist. Der Stiftungsrat der SES empfiehlt denn auch einstimmig ein Ja zum ersten Massnahmenpaket der Energiestrategie 2050, die am 21. Mai zur Abstimmung kommt.

Mai. Unter dem Titel «Alternativlose Energiewende, die Energiestrategie 2050 als erster Schritt» nimmt die SES an ihrer Jahresversammlung das Abstimmungsthema auf. Rund 150 Personen wohnen den Referaten von Arne Jungjohann und Beat Meier bei. Politikwissenschaftler Jungjohann zeigt am Beispiel Deutschlands die politischen und gesellschaftlichen Erfolgsfaktoren für den Umbau unseres Energiesystems auf. Der diplomierte Agronom Beat Meier stellt anschliessend eine neue Studie zu Kosten und Nutzen der Energiewende vor, welche econcept im Auftrag der SES erarbeitet hat. Die Studie zeigt, worauf es ankommt, damit sich die Energiewende für die Schweiz lohnt.

Die SES präsentiert anlässlich einer Medienkonferenz zusammen mit dem unabhängigen Ökonomen Kaspar Müller und dem Öko-Institut Darmstadt ihre Analyse der Kostenstudie 2016. Fazit: Bund und Steuerzahlende laufen grosse Gefahr, dereinst hohe Kosten für die Stilllegung und vor allem für die Entsorgung der Schweizer AKW übernehmen zu müssen. Die SES hat 20 Forderungen zuhanden des Bundesrats und des UVEK ausgearbeitet, um die Vorgaben für die Berechnung der Beitragshöhe anzupassen.

Die sechste Auflage des Ökostrom-Rankings der SES zeigt: In der Schweiz wird noch immer relativ wenig Strom aus Sonne und Wind gewonnen. Im europäischen Vergleich schneidet sie schlecht ab. Nur gerade 4 von 29 Ländern produzierten 2016 weniger Solar und Windstrom: Lettland, die Slowakei, Slowenien und Ungarn. In der Schweiz werden 174 kWh Solar- und 13 kWh Windstrom produziert, beim Spitzenreiter Dänemark sind es über 12 Mal mehr. 

Am 21. Mai ist es soweit: Die SES freut sich über die klare Annahme der Energiestrategie 2050. Die Schweizer Bevölkerung sagt mit 58% der Stimmen Ja zum Atomausstieg und setzt den Rahmen für eine erneuerbare und sichere Energiezukunft. Die SES hat den Abstimmungskampf im Rahmen des JA-Komitees mitgeprägt und mitfinanziert.

September. Die Schweiz verfügt gemäss dem alljährlich mit Unterstützung der SES erscheinenden World Nuclear Industry Status Report 2017 neu über ein AKW der Kategorie «Long-Term Outage» (Langzeit-Stillstand). In Frankreich wird solchen AKW automatisch die Betriebsbewilligung entzogen. Die SES fordert für die Schweiz eine analoge Regelung.

Oktober. Die SES sucht anlässlich ihrer Abendveranstaltung Antworten zum Thema «Energie und Wachstum – Wie viel Energieverbrauch ist angemessen?» Ob eine Wirtschaft ohne Wachstum möglich ist oder das Wachstum so gestaltet werden kann, dass es nicht auf Kosten kommender Generationen geht, diskutieren Umweltökonomin Prof. Dr. Irmi Seidl und Ressourcenökonom Prof. Dr. Lucas Bretschger zusammen mit dem Publikum.

November. Die Schweiz ist ein Land von VielfliegerInnen. Gemäss einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung des Forschungsinstitutes gfs-zürich im Auftrag der SES fliegen gut ausgebildete Leute besonders viel. Auch sind sie sich über die Auswirkungen ihres Tuns sehr wohl bewusst. Fliegen ist das klimaschädlichste Massen-Verkehrsmittel, doch die Politik unternimmt nichts zur Eindämmung des Wachstums. Die Branche blieb bis jetzt von der CO2-Abgabe, Mineralölsteuer und Mehrwertsteuer verschont. Freiwillige Massnahmen werden nicht reichen, regulatorische Eingriffe sind dringend nötig und von der Bevölkerung sogar erwünscht.

An der Fachtagung «Energiestrategie 2.0 – jetzt nachlegen!» diskutieren 20 ExpertInnen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik mit 230 Teilnehmenden über die Zukunft der Schweizerischen Energiepolitik. Die vielfältigen Beiträge zeigen, dass es nach dem richtungsweisenden Ja zur Energiestrategie 2050 gilt, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen. Mit dem ersten Massnahmenpaket der Energiestrategie ist es noch nicht getan. Die Politik ist aufgefordert, weitere Rahmenbedingungen und Massnahmen im Sinne der Energiewende einzuleiten.

Dezember. Die SES reicht beim UVEK eine Petition zur Kostenstudie 2016 ein. Das UVEK soll sicherstellen, dass für die Finanzierung der Stilllegung und Entsorgung der Schweizer AKW die Betreiber aufkommen, und nicht die Steuerzahlenden, wie die aktuelle Kostenstudie befürchten lässt. Knapp 5’500 Personen haben diese unterzeichnet und geben so den Forderungen der SES zusätzliches Gewicht. Zwei Tage später verkündet die zuständige Kommission, dass die Kosten für die Stilllegung und Entsorgung erneut höher ausfallen, als bislang angenommen.

Auch nach dem Ja zum neuen Energiegesetz ist die Energiewende bei den vier grössten Schweizer Energiekonzernen Axpo, Alpiq, BKW und Repower noch wenig fortgeschritten. Nur knapp ein Drittel ihrer Produktion ist erneuerbar, wie eine Analyse der SES zum Strommix der Konzerne zeigt. Sie setzen weiterhin auf schmutzige Atom-, Gas- und Kohlekraftwerke. In ihren Portfolios weisen die vier Betreiber für das Jahr 2016 zusammen nur gerade einen Anteil von 3.6% an Windstrom aus. Zum Vergleich: Die Axpo alleine hat im selben Zeitraum dreimal so viel Strom aus Erdgas erzeugt. Die SES fordert die Konzerne auf, stärker auf neue erneuerbare Energien zu setzen.

 

Wie Sie sehen, geht der SES in den kommenden Jahren die Arbeit nicht aus. Der Weg zu einer «erneuerbaren» Schweiz ist noch lang. Ich möchte unseren Fördermitgliedern, Spenderinnen und Spendern und allen weiteren Zugewandten ganz herzlich danken, dass sie die SES auch in diesem Jahr unterstützt haben.

 

Rita Haudenschild

Rita Haudenschild
Geschäftsleiterin

Tel. 044 275 21 21
Mail: rita.haudenschild@energiestiftung.ch

Jahresbericht inkl. Jahresrechnung 2017 (pdf)