Jahresbericht 2020

Die SES-Jahresversammlung 2021, an welcher der Jahresbericht sowie die Jahresrechnung 2020 vorgestellt worden wären, musste aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden. Jahresbericht und Jahresrechnung sind dieses Jahr deshalb ausschliesslich online zugänglich. SES-Fördermitglieder können allfällige Fragen und Bemerkungen bis am 30. Juni 2021 gerne telefonisch oder per E-Mail an die Geschäftsstelle richten (044 275 21 21, info@energiestiftung.ch). Wir danken für das Verständnis.

Das Jahr 2020 hat die Welt durchgeschüttelt. Die Corona-Pandemie führt uns vor Augen, welch gravierende Folgen es hat, wenn wir der Natur zu wenig Platz lassen. Vor diesem Hintergrund wird auch der Handlungsbedarf zur Bekämpfung des menschengemachten Klimawandels noch dringlicher. Der sorgsame Umgang mit Energie und der Ausbau erneuerbarer Energien sind die wirksamsten Klimaschutzmassnahmen, damit die fossilen und nuklearen Energieträger so rasch wie möglich ersetzt werden können. Dafür haben wir uns auch in diesem Jahr eingesetzt.

Auch die SES bekam die Pandemie zu spüren. Die Geschäftsstelle hat auf Homeoffice umgestellt, mehrere Veranstaltungen mussten verschoben und schlussendlich abgesagt werden. Die Fachtagung 2020 konnten wir mit weniger Publikum vor Ort und einem Live-Stream-Angebot dennoch durchführen.

Politisch wurden in diesem Jahr wichtige Weichen gestellt. Das Parlament hat das revidierte CO2-Gesetz zu Ende beraten. Die Inland-Ziele wurden leicht) verschärft, eine Flugticketabgabe, Benzinpreiserhöhungen und CO2-Grenzwerte im Gebäudebereich beschlossen. Auch wenn diese Massnahmen für die Erreichung der Klimaziele noch nicht genügen, bietet das Gesetz Ansätze für zukünftige Verbesserungen.

Zudem hat der Bund die Energieperspektiven 2050+ publiziert. Die SES war in der Begleitgruppe mit dabei. Die Modellrechnungen zeigen, dass die Schweiz das Netto Null-Ziel erreichen kann und eine 100 Prozent erneuerbare Energieversorgung möglich ist. Damit ist die Vision, für die sich die SES seit über 40 Jahren einsetzt, endlich im Bundeshaus angekommen! Wie der Ausbau ermöglicht wird, definiert das Energiegesetz, welches nun auf den Tisch kommt.

 

SES-Highlights 2020

März. Die SES übergibt dem Bundesrat die Beznau-Petition mit über 11'500 Unterschriften. Diese fordert die vorläufige Ausserbetriebnahme des AKW Beznau 1, bis mit wissenschaftlich anerkannten Methoden bewiesen werden kann, dass die Unregelmässigkeiten im Reaktordruckbehälter kein Sicherheitsproblem darstellen. Der Reaktor stand fast drei Jahre lang still, nachdem über 1'000 Einschlüsse im Reaktordruckbehälter gefunden worden sind. 2018 akzeptierte die Atomaufsicht ENSI den Sicherheitsnachweis der Axpo und liess den Reaktor wieder ans Netz. Aufgrund fehlenden Originalmaterials wurde der Nachweis mit der Kopie eines Stahlrings (Replika) geführt. Ein Gutachten des unabhängigen Öko-Instituts Darmstadt im Auftrag von Greenpeace Schweiz und der SES zweifelt diesen jedoch an.

Juli. Die Corona-Pandemie führt zu höherer Arbeitslosigkeit, wie die Arbeitslosenzahlen des Bundes bestätigen. Eine neue von der SES in Auftrag gegebene Studie der ZHAW Wädenswil zeigt, dass der Ausbau der Solarenergie hier Gegensteuer geben kann: Eine beherzte Solar-Offensive kann schweizweit 14'000 neue Arbeitsplätze schaffen. Das Arbeitspotenzial ist gemäss Studie rasch aktivierbar.

Der Streit um den fehlerhaften Reaktordruckbehälter im AKW Beznau 1 geht in die nächste Runde: Das ENSI weist die Vorwürfe der SES, die auf der Analyse des Öko-Instituts fussen, harsch zurück und spricht von «gravierenden Fehlern» der Studie. Das Öko-Institut kontert nach eingehender Prüfung der Vorwürfe mit ihrer Replik: Die heftige Wortwahl des ENSI kann die Zweifel am Sicherheitsnachweis nicht ausräumen, da die Behörde auf die Hauptkritikpunkte nicht ausreichend eingeht. Besonders die zentralen Fragen zur Vergleichbarkeit der Replika, der Stärke der Strahlenversprödung und der Grösse der Sicherheitsmargen bleiben in der ENSI-Stellungnahme unbeantwortet. Nur sie geben Aufschluss darüber, wie gross das Risiko des Weiterbetriebs von Beznau 1 ist.

September. Die SES richtet die Fachtagung «Power fürs Klima» aus. Aufgrund der Corona-Pandemie ist die TeilnehmerInnenzahl begrenzt, dafür kann die Fachtagung auch über einen Live-Stream verfolgt werden. WissenschfatlerInnen und PolitikerInnen aus der Schweiz und Europa erörtern, wie der Ausbau erneuerbarer Energien umweltverträglich gelingt und was es braucht, damit es vorwärts geht. Denn der Ausbau der Erneuerbaren ist neben einer Reduktion des Energieverbrauchs die wirksamste Klimaschutzmassnahme. Der zentrale Hebel hierfür bietet die anstehende Revision des Energiegesetzes. Mit Zuversicht hat SES-Präsident Beat Jans in seinem Abschlussvotum den frischen Wind und Gestaltungswillen in der neuen Parlamentszusammensetzung hervorgehoben, wie er an der Fachtagung auch auf dem Politpodium mit Vertreterinnen der SP, CVP und FDP zu spüren war. Die Schweiz muss jetzt die nötigen Weichen stellen, bevor es zu spät ist.

Oktober. Die SES gibt die Studie «Anreize für Energiesuffizienz: Learnings aus der Coronakrise» des Forschungsbüros Rütter Soceco heraus. Diese zeigt die energetischen Effekte von Covid-19 auf und veranschaulicht, wie es gelingen kann, die positiven Veränderungen auch nach der Coronakrise beizubehalten. Potenzial ist insbesondere beim Homeoffice auszumachen: weniger Pendelverkehr und weniger Energiebedarf in den Bürogebäuden. Ein anderer Bereich betrifft die Verkehrsmittelwahl und die (Wieder-)Entdeckung des Velos. Die Studie zeigt aber auch, dass die Schweiz Aufholbedarf hat: «Es braucht mehr Anreize, die Homeoffice und andere nachhaltige Phänomene aus der Coronazeit auch über die Pandemie hinaus interessant machen», so die wissenschaftliche SES-Mitarbeiterin Tonja Iten. Die Studie wurde von der Stiftung Mercator Schweiz gefördert.

November. Der Bundesrat beschliesst, die Revision des Energiegesetzes und des Stromversorgungsgesetzes in einem neuen «Bundesgesetz über eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien» zusammenzuführen und kommuniziert die Eckwerte hierzu. Die SES stellt fest, dass diese noch nicht genügen, um die Klimaziele zu erreichen. Der Energiesektor muss bis spätestens 2035 dekarbonisiert sein. Andere Bereiche wie die Landwirtschaft werden mehr Zeit benötigen. Die Ziele im Energiegesetz sind so auszurichten, dass die gesamte Energieversorgung der Schweiz bis 2035 aus einheimischen erneuerbaren Quellen gedeckt wird. Die entsprechende Botschaft soll bis Mitte 2021 vorliegen.

Ein Lichtblick ist die Bekanntgabe des Bundesamts für Energie, dass die Warteliste der Photovoltaikanlagen bis Ende 2021 abgebaut wird. Damit wird eine alte SES-Forderung erfüllt: Besitzer von Solaranlagen sollen nicht mehr als drei Monate auf ihre Einmalvergütung warten müssen.

Ende November erfolgt ein wichtiger energiepolitischer Meilenstein mit der Publikation der Energieperspektiven 2050+. Die gute Nachricht: Die Energiewende ist möglich. Die Modellrechnungen zeigen, dass die Schweiz das Netto Null-Ziel erreichen kann. Die SES ist jedoch überzeugt, dass der anvisierte Zeitplan zu gemächlich ist. Es braucht mehr Tempo!

Dezember. Die Verwaltungskommission des Stilllegungs- und Entsorgungsfonds (Stenfo-VK) korrigiert die Kosten für die Stilllegung der AKW und die Entsorgung radioaktiver Abfälle nach unten. Die AKW-Betreiber waren mit ihren Beschwerden vor Bundesgericht sowie dem Druck innerhalb des Stenfo erfolgreich. Sie haben sich tiefere Kosten erkämpft und drohen trotzdem mit einer Klage. Die SES kritisiert die destruktive Vorgehensweise der AKW-Betreiber. Sie fordert diese auf, ihre Anliegen und Sichtweisen in der Stenfo-VK einzubringen und deren Entscheide mitzutragen. Ansonsten stellt sich die Frage, ob ihr Einsitz im Stenfo noch gerechtfertigt ist.

Das ganze Jahr. Wir sitzen mit der Bundesverwaltung, mit der Energiewirtschaft und mit PolitikerInnen zusammen. Wir besuchen Schulen, Vereine und Gemeinden und bestreiten Podien. Wir geben Interviews, versorgen JournalistInnen mit Hintergrundwissen, lobbyieren beim Bund und den Kantonen. Immer mit der Botschaft und der Überzeugung, dass die Zukunft den erneuerbaren Energien gehört.

Wir danken allen ganz herzlich, welche die SES auch in diesem Jahr in irgendeiner Form unterstützt haben.

 

Nils Epprecht

Nils Epprecht
Geschäftsleiter

Tel. 044 275 21 21
Mobile: 077 455 99 79
Mail: nils.epprecht@energiestiftung.ch
Twitter: @nepprecht

Jahresbericht inkl. Jahresrechnung 2020 (pdf)