Wenn Geld das Klima aufheizt

Der Schweizer Finanzplatz pumpt Milliarden in die Kohle-, Erdgas- und Erdölindustrie und verursacht 22 Mal so viele Treibhausgasemissionen, wie die Schweiz direkt ausstösst. Es ist darum besonders relevant, die Geldflüsse der Finanzinstitute mit den Schweizer Klimazielen in Einklang zu bringen.

Von Christian Lüthi

Für die Schweiz als kleines Land mit einem grossen Finanzplatz ist es besonders gefährlich, dass der finanzpolitische Umgang mit Klimarisiken unklar und kaum geregelt ist. Obwohl das Bundesamt für Umwelt (BAFU) vor Klimarisiken warnt, setzt der Bund lediglich auf Freiwilligkeit und riskiert, dass die Schweiz gegenüber der EU zurückfällt.

  • Der Bundesrat macht im Gegensatz zur EU keine Anstalten, den Pensionskassen per Gesetz deutlich zu machen, dass ihre treuhänderische Pflicht und Verantwortung auch und insbesondere für den Umgang mit Klimarisiken gilt.
  • Die EU übernimmt voraussichtlich die in Frankreich geltende Offenlegungspflicht von Klimarisiken. Aus Sicht des Bundesrates ist eine solche Transparenz für Pensionskassen lediglich optional.
  • Die EU diskutiert derzeit, wie die Finanzaufsicht Klimarisiken berücksichtigen soll. Will die Schweiz also nicht zum Magneten für Klimarisiken werden, müssten die Mandate der Eidg. Finanzmarktaufsicht FINMA und der Schweizerischen Nationalbank ebenfalls entsprechend überarbeitet werden.

Wer in Fossile investiert, riskiert Verluste

Genauso wie die Schwerkraft bleiben auch die physikalischen Eigenschaften von Treibhausgasen eine Konstante. Es gibt somit kein Szenario, bei dem Investitionen in Kohleminen, Erdölbohrungen und Erdgaspipelines ohne Folgen bleiben würden. Wird die globale fossile Infrastruktur künftig weiter genutzt, so sind solche Investitionen den Folgen gefährlicher Klimaextreme ausgesetzt, dies mit entsprechenden finanziellen Verlusten nach z.B. Hitzewellen, Dürren, Überschwemmungen und anderen Klimakatastrophen.

Bleiben Kohle, Erdöl und Erdgas hingegen im Boden – weil die Politik handelt oder weil Erneuerbare und Energiespeicher die fossilen Energieträger über den Preis überflüssig machen – so verlieren Investitionen in klimaschädliche Branchen an Wert, insbesondere in fossile Energieunternehmen wie Exxon Mobil, Shell, BP, Total und Chevron. Namentlich für Pensionskassen mit der Aufgabe, Renten über mehrere Jahrzehnte zu sichern, sind Investitionen in klimaschädigende Industrien also geradezu selbstzerstörerisch.

Versicherte wehren sich

Die Bank kann man wechseln, nicht aber die Pensionskasse. Doch es gibt eine Möglichkeit, Einfluss zu nehmen: Arbeitnehmende und Arbeitgeber sind im Stiftungsrat jeder Pensionskasse paritätisch vertreten. Dieser bestimmt die Anlagestrategie und kann damit auch den Abzug von Investitionen aus den dreckigsten Unternehmen beschliessen.

Einige Schweizer Pensionskassen zeigen zum Teil seit Jahrzehnten, dass eine Anlagestrategie ohne Investitionen in fossile Energieunternehmen möglich ist. Umso mehr erstaunt es, dass die Pensionskassen der öffentlichen Angestellten immer noch viel Geld in die Kohle-, Erdöl- und Erdgasindustrie fliessen lassen. Darunter auch die Kassen einiger grosser Schweizer Städte, die sich Nachhaltigkeit zum Ziel gesetzt haben, dabei aber bislang ihre Pensionskassen und deren Investitionen nicht unter die Lupe genommen haben.

Erste Erfolge zeichnen sich ab

Für eine Änderung der Anlagestrategie einer Pensionskasse braucht es aufgrund der paritätischen Vertretung nicht nur die Regierung (als Arbeitgeberin), sondern auch die Zustimmung der Versicherten und der durch sie gewählten Stiftungsräte. Aktuell baut fossil-free.ch gemeinsam mit der Klima-Allianz mehrere lokale sogenannte Divest-Gruppen für öffentliche Pensionskassen auf: In Basel, St. Gallen, Luzern, Genf und Zürich beispielsweise setzen sich Versicherte bei ihrer Pensionskasse dafür ein, dass ihr Geld in klimafreundliche Anlagen fliesst.

Besonders erfreulich ist die Situation im Kanton Zürich, wo die BVK die Kantonsangestellten versichert. Dort kam es bereits zu ersten Treffen mit dem Stiftungsrat, mit welchem das Anliegen, in klimafreundliche Anlagen zu investieren, diskutiert werden konnte. Und als letztes Jahr der BKV-Stiftungsrat neu gewählt wurde, konnte ein wichtiger Erfolg erzielt werden: Als Vertreter der Arbeitnehmer wurden vier von neun Stiftungsräten gewählt, die den Abzug von Investitionen aus fossilen Energieunternehmen befürworten. Ein Schritt also in die richtige Richtung, der Hoffnung macht.

Der Autor

Christian Lüthi

Christian Lüthi

Geschäftsleiter der Klima-Allianz
christian.luethi@klima-allianz.ch

Lesen

Ich abonniere das Magazin «Energie und Umwelt» für CHF 30.-/Jahr.

Anrede