SES Jahresbericht 2010 - Im Zeichen der atomaren Erblasten

Die SES hat 2009 viel Zeit und Energie in die Aufklärung über Atommüll gesteckt, eines der Hauptargumente gegen bestehende und neue AKW. Die vom BFE ausgerufene Jagd nach einem neuen «Endlager-Standort» liess uns keine andere Wahl.

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Die SES sah es als ihre Pflicht, gegen die vorgelegten Scheinlösungen der Nagra anzutreten und Fragen zu stellen:

  • Wie können sie uns garantieren, dass in 500 Jahren unsere Nachfahren nicht genau am Lagerstandort nach Erdwärme bohren?
  • Wie können sie wissen, wo die nächsten 10 Eiszeiten ihre Täler ausheben?
  • Wie können sie überhaupt feststellen, dass das Lager leckt, bevor das Trinkwasser zwischen Basel und Amsterdam radiokativ verseucht ist?
  • Wie können die lecken Behälter in 2000 Jahren wieder rausgeholt werden und wer bezahlt dies?
  • Wie markiert man ein geologisches Tiefenlager über tausende Generationen hinweg?

Die SES hat diese Fragen nicht nur der Nagra gestellt, sondern auch in den betroffenen Regionen. Gemeinsam mit lokalen Widerstandsgruppen haben wir den Widerstand nach Bern getragen.

Auf Bundesebene haben uns aber auch die Klimapolitik, die Revision des Stromversorgungsgesetzes, der Ausbau der Stromnetze und das Energieabkommen mit der EU besonders beschäftigt. Hinter den Kulissen wurde viel Zeit und Hirnschmalz in die Vorbereitung des Referendums gegen die nun sistierten Rahmenbewilligungsgesuche für neue AKW investiert.

SES-Highlights 2010

Februar. «SES goes Social Media.» Die Energie-Stiftung hat eine eigene Facebook-Seite. Hier können Interessierte neuste Medienberichterstattungen und andere Posts anschauen und kommentieren.
März. «Sonnenstrom aus der Wüste – Illusion oder sinnvolle Alternative?» Das ist die Frage an der SES Frühlings-Veranstaltung. Die Antwort des SES-Präsidenten Geri Müller: «Desertec ist eine Alternative zu Erdöl aus Afrika, nicht heute, aber morgen».
Mai. Nach der «Atommüll-Anzeiger» im März erscheint im Mai die neue SES-Broschüre «Atommüll XY ungelöst: Vom Traum, eine technische Lösung zu finden». Auf 20 Seiten wird erklärt, was Atommüll ist und weshalb das Entsorgungskonzept der Nagra unvollständig und unbrauchbar ist. Die SES initiiert sechs Informationsveranstaltungen in den Standort-Regionen.
Juni. «Klick den Mix» – die 10-jährige Anna erklärt, was sie vom gewählten Strommix hält. So funktioniert das neue Strommixer-Spiel auf der SES-Website.
Juli. Mit Stromeffizienz und Erneuerbaren fährt die Schweiz wirtschaftlich besser als mit neuen AKW! Dies zeigt eine neue Studie von Infras im Auftrag der SES, anderer Umweltorganisationen, einzelner Städte und Kantone.
September. An der gut besuchten SES-Fachtagung werden die Chancen der kommenden Energiekrise in den Vordergrund gerückt. Aber auf einem endlichen Planeten fällt es schwer, nur die Chancen sehen zu wollen. «Bald haben wir den Peak everything», das die Worte von Prof. Dr. Elmar Altvater. Mit der parlamentarischen Gruppe Peak Oil laden wir zur Veranstaltung «Die schmutzige Suche nach dem letzten Öl» ein. Wenig später ist der Golf von Mexiko voll Erdöl.
Oktober. Das E&U-Magazin der SES veröffentlicht den «Schaltplan zur Schweizer Atomstromwirtschaft». Die SES rügt das ENSI. Die Atom-Sicherheitsbehörde erteilt Blanko-Cheques für neue AKW, ohne zu wissen, welche Reaktortypen gebaut werden sollen, und ohne dass es den von ALPIQ, BKW und AXPO favorisierten Druckwasserreaktor überhaupt gibt!
November. An der SES-Abendveranstaltung «Markierung eines Atommülllagers für 1’000’000 Jahre» macht Professorin Susanne Hauser aus Berlin klar, dass dieses Problem unsere Vorstellungskraft schlicht übersteigt. Die SES und die regionalen Widerstandsorganisationen fordern an einer Medienkonferenz den Bundesrat auf, den Entsorgungsnachweis aufzuheben und das Sachplanverfahren neu aufzugleisen.

Das ganze Jahr über haben wir uns in Rotary-Clubs und anderen traditionell atomfreundlichen Vereinen einladen lassen, um Referate zum Thema «Sichere Stromversorgung ohne neue Grosskraftwerke» zu halten. Immer wieder aktiv waren wir im Parlament und in der Verwaltung rund um die «Kostendeckende Einspeisevergütung» (KEV) und in der Klima- und Effizienzpolitik.

Ganz herzlichen Dank an alle, welche die Arbeit der SES in irgendeiner Form unterstützt haben.

Jürg Buri, Geschäftsleiter