JA zur Energiestrategie – JA zur Holzenergie

Rund 39 % des Schweizer Energiebedarfs werden für Heizung und Warmwasseraufbereitung benötigt. Dafür werden heute noch grösstenteils fossile Energieträger eingesetzt. Hier kann der heimische Energieträger Holz einen wichtigen Beitrag zur Zielerreichung der Energiestrategie 2050 leisten.

Von Martina Caminada

Heute werden in der Schweiz pro Jahr durchschnittlich 4,9 Millionen m3 Energieholz verfeuert, was rund 8500 Gigawattstunden (GWh) Energie bzw. 4,4 % des gesamten Energiebedarfs oder 10 % des Wärmebedarfs der Schweiz entspricht: etwa 95 % in Form von Wärme und weitere 5 % als Strom. Längst sind moderne Technologien verfügbar, um wirtschaftlich Wärme und Strom zu produzieren. Und es hat auch noch genügend Holz: Das zusätzliche, nachhaltig nutzbare Energieholzpotenzial liegt je nach Berechnungsgrundlage bei 2−3 Millionen m3 Holz, also weitere 40−60 % gegenüber heute. Gründe, weshalb dieses zusätzliche Energieholzpotenzial ausgeschöpft werden soll, gibt es einige.

Holzenergie stärkt die Wirtschaft

Foto: Scriptum, Rafael Brand

Es ist ein Ziel der Energiestrategie 2050, die Nutzung der erneuerbaren Energien auf wirtschaftlich tragbare Weise auszubauen. Mit Holzenergie ist das möglich. Nehmen wir als Beispiel die verschiedenen Waldfunktionen, die durch eine nachhaltige Waldbewirtschaftung erfüllt werden: Lebensraum für Tiere und Pflanzen, Schutz vor Naturgefahren, Nutzung der Waldressourcen sowie Erholungsraum für die Bevölkerung. Der Erhalt dieser Funktionen bedingt waldbauliche Eingriffe, die häufig defizitär sind. Wenn nun zusätzlich zu den hochwertigen Holzsortimenten auch die bei jedem Holzschlag anfallenden minderwertigen Sortimente als Energieholz abgesetzt werden können, helfen diese zusätzlichen Einnahmen, dass der Einsatz im Wald rentabler wird. Das entlastet Forstbetriebe und sichert Arbeitsplätze, was besonders auch in strukturschwachen Regionen umso wichtiger ist.

Ein weiteres Beispiel für die Wirtschaftlichkeit der Holzenergienutzung sind holzverarbeitende Betriebe. Wird ein Holzstamm eingesägt, um Produkte wie Bauholz, Möbel, etc. herzustellen, fallen rund 40 % Holzreste an. Diese Reste müssen keinesfalls als Abfall entsorgt werden, sondern sind das ideale Rohmaterial für die Pelletsherstellung. Diese Absatzmöglichkeit eines Restprodukts wirkt sich positiv auf die Wirtschaftlichkeit eines Betriebes aus.

Neben dem Wald und den Energielieferanten profitiert auch das umliegende lokale Gewerbe vom Betrieb von Holzheizungen, wie beispielsweise Heizungsplaner, Installateure und Ofenbauer. Nicht zuletzt lohnt sich der Einsatz einer Holzheizung auch für den Betreiber. Zwar sind Holzheizungen beim heutigen Ölpreisniveau leicht teurer, dies kann sich jedoch bald wieder ändern. Wer die Preiskurven der vergangenen Jahre vergleicht, stellt fest, dass die Preise für Holzbrennstoffe stabil geblieben sind, während die Preise für fossile Energieträger teilweise starken Schwankungen unterlagen. Wer also langfristig rechnet, wird feststellen, dass die Investitionskosten für eine Holzheizung innert weniger Jahre amortisiert sind.

Holzenergie ist ökologisch

Solarstromproduktion in der Schweiz

Der Einsatz von Holzheizungen lohnt sich auch aus ökologischer Perspektive. Jede der rund 594’000 Holzheizungen in der Schweiz wird mit einem CO2-neutralen Brennstoff betrieben. Holz setzt sowohl während der Verrottung als auch während der Verbrennung nur so viel CO2 frei, wie der Baum während seines Lebens gebunden hat. Dafür, dass auch wirklich nur so viel Holz genutzt wird, wie in unseren Wäldern nachwächst, sorgt das strenge Schweizer Forstgesetz. Ein Raubbau am Wald durch vermehrte Holzenergienutzung ist somit ausgeschlossen.

Auch in Sachen Transport des Energieträgers Holz kann Entwarnung gegeben werden. Der überwiegende Teil der Holzenergieprodukte wird im Inland bereitgestellt. Wenn nötig, werden die Holzbrennstoffe aus unseren unmittelbaren Nachbarländern Deutschland, Frankreich und Österreich importiert. Das sind wiederum gute Nachrichten für die einheimische Wirtschaft, da mit dem Einsatz von Holzenergie ein sehr grosser Teil der Wertschöpfung im Inland stattfindet und das Geld nicht in krisengeschüttelte Länder abfliesst.

Verschiedene Einsatzmöglichkeiten

Holz ist vielseitig einsetzbar und hat den Vorteil, dass es dezentral verfügbar ist und als lagerbarer Energieträger eine perfekte Ergänzung zur Sonnen- oder Windenergie darstellt. Wie bereits erwähnt, werden heute 95 % der Holzenergie für Wärme- und 5 % für Stromproduktion eingesetzt. Für grosse Wärmeabnehmer kommen häufig Schnitzelheizungen zum Einsatz. Die 23 momentan in Betrieb befindlichen Wärme-Kraft-Kopplungsanlagen (WKK) sind im Bereich der Grossabnehmer installiert. Mittels Wärmenetzen versorgen solche Energiezentralen ganze Quartiere, Dörfer oder Stadtteile mit ökologisch erzeugter Wärme. Der benötigte Brennstoff stammt häufig aus der unmittelbaren Region. Aber auch Ein- oder Mehrfamilienhäuser können bequem mit Holz beheizt werden. Hier kommen häufig Holzpelletsanlagen zum Einsatz. Durch die automatische Verbrennung und den genormten Brennstoff ist ein bequemer, schadstoffarmer Betrieb möglich.

Natürlich sind auch etliche Stückholzheizungen im Einsatz, die jedoch einen etwas höheren Aufwand für den Betreiber bedeuten und häufig dort in Gebrauch sind, wo eigenes Holz zur Verfügung steht. Dank stetiger Weiterentwicklung der Verbrennungs- und Filtertechnik werden die Anforderungen der Luftreinhaltung heute von allen Holzheizungen eingehalten. So verfügen grössere Holzheizungen über hochmoderne Filteranlagen, welche die Abgase von Feinstaub befreien. Kleinere Holzheizungen wie beispielsweise Pelletsheizungen stossen dank der automatischen Verbrennung sowie dem normierten Brennstoff ebenfalls sehr geringe Mengen an Feinstaub aus und unterschreiten die Grenzwerte der Luftreinhalteverordnung anstandslos.

Ein JA als grosse Chance für die Holzenergie

Mit der geplanten Umsetzung der Energiestrategie 2050, die am 21. Mai 2017 zur Abstimmung steht, kommt der vermehrten und effizienten Holzenergienutzung eine zentrale Bedeutung zu. Die Trümpfe der Holzenergie liegen auf der Hand: Holz wächst ständig nach, es ist CO2-neutral und dezentral verfügbar. Es lohnt sich also sowohl aus wirtschaftlichen wie aus ökologischen Überlegungen, die Energiestrategie zu unterstützen und damit auch ein JA für die einheimische (Holz-)Wirtschaft in die Urne zu legen.

 

Die Autorin

Martina Caminada,

Holzenergie Schweiz

caminada@holzenergie.ch

Dieser Artikel ist im Magazin «Energie & Umwelt», Ausgabe 2/2017, erschienen.

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