Drei Gründe für ein JA zur Energiestrategie 2050

Unsere Atomkraftwerke sind alt und gefährlich. Und Atomstrom ist teuer. Zudem ist unsere Energieversorgung sehr stark vom Ausland abhängig. Statt einheimische Energien zu nutzen, importieren wir für sehr viel Geld Öl und Uran. Und letztlich: Das Potenzial für Energieeinsparungen und erneuerbare Energien ist enorm. Dieses gilt es mit einem JA zur Energiestrategie vermehrt auszuschöpfen.

Von Florian Brunner

Die Energiestrategie 2050 legt die gesetzlichen Leitplanken für die Energiewende. Sie gibt den Startschuss für eine nachhaltige Energiezukunft und beinhaltet eine Reihe von Massnahmen, die einen Prozess beschleunigen, der schlicht notwendig und unvermeidlich ist: die Transformation einer umweltverschmutzenden, gefährlichen, vom Ausland abhängigen fossilnuklearen Energieversorgung hin zu einer effizienten, erneuerbaren, umweltverträglichen und sicheren Energieversorgung.

Die Energiestrategie umfasst unsere ganze Energieversorgung für Heizung, Industrie, Verkehr und Stromanwendungen:

  • Mehr Energieeffizienz bei Gebäuden, in der Industrie, bei Geräten und bei der Mobilität
  • Ausbau der erneuerbaren Energien (inklusive Massnahmen zur Unterstützung der Schweizer Wasserkraft)
  • Keine Bewilligungen für neue Atomkraftwerke

Klarheit dank AKW-Neubauverbot

Bild: Greenpeace / Nick Cobbing

Nach der Dreifach-Kernschmelze von Fukushima beschloss der Bundesrat 2011 im Grundsatz, schrittweise aus der Atomenergie auszusteigen. Das Parlament folgte diesem Entscheid. Mit der Energiestrategie wird der Bau neuer Atomkraftwerke verboten, die bestehenden fünf (Beznau 1 und 2, Mühleberg, Gösgen und Leibstadt) dürfen aber so lange in Betrieb sein, wie sie als sicher gelten. Darüber befindet das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI).

Die Schweiz betreibt den ältesten AKW-Park weltweit. Die BKW Energie AG hat bereits beschlossen, das alte AKW Mühleberg aus wirtschaftlichen Gründen 2019 vom Netz zu nehmen. Auch bei den anderen, alternden Atomkraftwerken kommt es immer öfters zu unvorhergesehenen Stillständen. Sie werden Mühleberg also über kurz oder lang folgen, weil sie nicht mehr rentieren.

Aufgrund der gestiegenen Anforderungen an die Sicherheit und der komplexen Bauverfahren lassen sich in Europa unter marktwirtschaftlichen Bedingungen eigentlich keine neuen AKW mehr bauen. In Finnland ist der Bau des AKW Olkiluoto 3 ein einziges Desaster. Der Kosten- und Zeitrahmen wurde schon mehrfach massiv überschritten. Die Baukosten belaufen sich inzwischen auf rund 9 Mrd. Euro, anfänglich ging man von rund 3 Mrd. Euro aus. Ob und wann Olkiluoto 3 ans Netz gehen wird, ist offen und mehr denn je fragwürdig. Wenn es je Strom produziert, werden die Kosten dafür entsprechend hoch sein. Erneuerbare Energien sind längst viel günstiger.

Auf erneuerbare Energien setzen

Bild: Greenpeace / Jonas Scheu

Unsere Energieversorgung ist sehr stark vom Ausland abhängig: Bei 75 % unseres Gesamtenergieverbrauchs sind wir auf Importe von endlichen Energieträgern wie Erdöl und Uran angewiesen. Das revidierte Energiegesetz, über das wir am 21. Mai abstimmen, will von dieser Abhängigkeiten wegkommen, indem es zeitlich limitiert einheimische erneuerbare Energien fördert. Dazu gehören die traditionelle Wasserkraft und die «neuen» erneuerbaren Energien wie Sonne, Wind, Geothermie (Erdwärme), Holz und Biomasse. Die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) unterstützt Produzenten. Mit einem JA zur Energiestrategie kann ein Teil der rund 40'000 Projekte auf der KEV-Warteliste realisiert werden. Die KEV für erneuerbare Energieanlagen wird aus dem Netzzuschlag gespeist, der von heute 1,5 auf 2,3 Rp./kWh ansteigen soll. Der Netzzuschlag wird von allen Haushalten und Unternehmen bezahlt. Die Zusatzbelastung macht gemäss Bundesrat im Jahr gerade mal 40 Franken pro Haushalt aus – und ist eine lohnende Investition in die Zukunft des Innovations- und Werkplatzes Schweiz.

Energie effizient nutzen

Bild: Klaus Lambrecht, www.solaroffice.de

Effizienz ist im Interesse der Wirtschaft und unseres rohstoffarmen Landes. Ein haushälterischer Umgang mit Energie spart Geld und reduziert die Energieimporte. Alleine mit ineffizienten Geräten verschwenden wir heute ein Drittel des Stroms. Die Energiestrategie setzt klare Effizienzziele und schafft entsprechende Anreize in den Bereichen Elektrogeräte, Verkehr und Gebäude.

Gebäude energetisch sanieren: Ein grosses Energie- und CO2-Sparpotenzial liegt im Gebäudebereich. Finanzielle Anreize und technische Vorschriften helfen, es auszuschöpfen. Der Staat fördert die energetische Sanierung von Gebäuden. Bund und Kantone haben hier für 2010 das Gebäudeprogramm eingeführt. Das aus Beiträgen der Kantone und der CO2-Abgabe finanzierte Programm, das 2019 auslaufen würde, könnte mit der Revision des Energiegesetzes verlängert werden. Neu können Personen, die ein Haus abreissen, um ein neues zu bauen, die Rückbaukosten von den Steuern abziehen. Damit soll ein zusätzlicher Anreiz geschaffen werden, mehr Gesamtsanierungen statt Teilsanierungen durchzuführen. Davon profitieren die Immobilienbesitzer, die Umwelt und das lokale Gewerbe. Aus der CO2-Abgabe kamen bisher maximal 300 Millionen Franken dem Gebäudeprogramm zugute. Neu wird dieser Betrag auf 450 Millionen Franken erhöht. Der Rest der CO2-Abgabe wird wie bisher an Wirtschaft und Bevölkerung zurückverteilt.

Effizientere (Auto-)Mobilität: Auch im Verkehr soll der Energieverbrauch sinken. Die Vorschriften zum CO2-Ausstoss für Neuwagen werden verschärft und erweitert. Autoimporteure müssen die CO2-Emissionen von neuen Personenwagen in den nächsten fünf Jahren auf durchschnittlich 95 g CO2 pro km reduzieren. Neu wird auch für Lieferwagen und leichte Sattelschlepper ein solcher Durchschnittswert definiert.

Die Energiewende lohnt sich

Bild: Greenpeace / Shayne Robinson

Die Energiestrategie ist nicht gratis, aber anstatt Geld für Importe auszugeben, ist es im Inland besser investiert. Ein Weiter-wie-bisher kommt uns längerfristig teurer zu stehen – mit einer Wende bekommen wir mehr Unabhängigkeit, mehr Umweltschutz und mehr Sicherheit. Die Wende bringt uns lokal eine gesteigerte Wertschöpfung und vor Ort neu geschaffene Arbeitsplätze. Die Energiewende ist aber auf eine gewisse Dynamik angewiesen. Diese entsteht durch die Unterstützung und das Engagement von Unternehmern, Ingenieurinnen, Gewerblern, Forschern, Politikerinnen, Behörden, Umweltschützern, Konsumentinnen – also von uns allen.

Weitere Schritte müssen folgen

Wir werden heute zu drei Vierteln von ausländischen, endlichen, fossilen und nuklearen Energieträgern versorgt. Aus dieser Situation müssen wir uns befreien. Die Energiestrategie 2050 ist ein wichtiger und unerlässlicher Schritt in die richtige Richtung. Ein Weiter-wie-bisher können wir uns nicht leisten. Mit der Energiestrategie ist es aber nicht getan. Weitere Schritte hin zu einem sparsamen, nachhaltigen Umgang mit Energie und zu einer 100 Prozent erneuerbaren Energieversorgung müssen folgen. Es lohnt sich, den Weg in Richtung Energiewende konsequent zu beschreiten.

Dieser Artikel ist im Magazin «Energie & Umwelt», Ausgabe 2/2017, erschienen.

 

Autor

Florian Brunner

Florian Brunner
Projektleiter Fossile Energien & Klima

Tel. 044 275 21 24
Mail: florian.brunner@energiestiftung.ch
Twitter: @flo_brunn

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