Kohleverflüssigung
- Der Nettoenergiegewinn der aus Kohleverflüssigung ist extrem niedrig.
- Es werden viele Anlagen geplant, ausser in Südafrika sind aber fast keine in Betrieb.
- Verbrennen wir nach Öl und Erdgas auch noch alle Kohle, wird das Klima nicht mehr zu retten sein.
Kohle flüssig machen: Zur Erzeugung flüssiger Produkte aus Kohle sind zwei Verfahrenswege möglich: Direkte Hydrierung der Kohle oder die Kohlevergasung mit anschließender Hydrierung des Synthesegases. Beide Verfahrenswege wurden in Deutschland bis 1945 grosstechnisch angewandt. Nur mittels dieser Technologie konnten die Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg ihre Kriegsmaschinerie so lange betreiben.
Erste Kohleverflüssigungs-Anlagen sind geplant: Aktuell wird die Kohleverflüssigung unter der Bezeichnung CtL (Coal to Liquid) im grossem Stil nur noch in Südafrika angewendet. 1/3 des südafrikanischen Kraftstoffbedarfs wird durch die Fischer-Tropsch-Synthese gedeckt. Zwar gibt es weltweit geplante CTL Anlagen, aber weit verstreut und nur einzeln. In Südafrika stammt ein 1/3 des Benzins aus CTL. In China sind drei Anlagen in Bau, eine davon in Betrieb, 2 weitere geplant. In den USA sind 30 Analgen mit einer Kapazität von 480‘000 Barrel pro Tag geplant. In Indonesien ist ebenfalls eine massive Anzahl Anlagen geplant, die Realisierung ist aber offen. Es ist allgemein damit zu rechnen, dass der Kohlenverflüssigung angesichts der langfristigen Verknappungstendenzen bei Öl und Gas und den damit verbundenen preislichen Folgen wieder wachsende Bedeutung zukommen wird.
Wie der Hamster im Käfig – wir drehen uns im Kreis. Historisch hatten wir folgenden Ablauf: Stand eine neue Ressource erst einmal zur Verfügung, vervielfacht sie den Energiefluss der Gesellschaft. In Kohle steckt mehr Energie als in Holz, Öl enthält konzentriertere Energie als Kohle, und Erdgas ist energiereicher als Erdöl. Hier lässt sich eine stringente Entwicklung von Energierohstoffen mit einer geringeren Energiegewinnrate hin zu Energieträgern mit höheren Energiegewinnrate beobachten. Haben nun aber Erdöl und Erdgas erst mal den Peak überschritten, besteht die Frage, ob von da an im Kohlewasserstoffzeitalter die Richtung umgekehrt wird und wir wieder vom Öl zur Kohle zurückkehren. Der Nettoenergiegewinn der aus Kohleverflüssigung stammende flüssigen Brenn- und Treibstoffe ist aber extrem niedrig und wird mit zusätzlich abnehmender Nettogewinnrate der abbaubaren Kohle noch zusätzlich abnehmen. Verfeuern wir nach dem Erdöl und dem Erdgas auch noch alle vorhandene Kohle, so hat dies katastrophale Folgen für unser Klima. Pro Fass CTL Treibstoff werden 0,5 Tonnen Steinkohle gebraucht. Und CTL ist sehr Wasserintensiv: Pro Fass Treibstoff braucht es ca. 5-7 Fass Wasser. Gesamthaft ist CTL-Treibstoff 2 - 3x CO2-intensiver als konventioneller Dieselkraftstoff!
