Wasserkraft ist nicht gleich Wasserkraft

  • Pumpspeicherkraftwerke brauchen mehr Strom, als sie produzieren
  • Pumspeicherkraftwerke waschen Kohle- und Atomstrom «weiss».
  • Pumspeicherausbau ist unnötig und belastet das Klima

Wasserkraft ist saubere Energie - würde man meinen. Doch die sogenannten Pumpspeicherkraftwerke brauchen mehr Strom, als sie produzieren und sind ein Verlustgeschäft für Natur und Klima. Ausgerechnet diese will die Stromwirtschaft im grossen Stil ausbauen. Aber mit “Ausbau der heimischen Wasserkraft” hat Pumpspeicherung nichts zu tun.

Stromverbrauch steigt massiv.

Heute werden in der Schweiz etwa 40 Pumpspeicherwerke mit einer Pumpleistung von 1700 Megawatt (MW) betrieben. Das entspricht der Hälfte der Leistung des schweizerischen AKW-Parks. Diese Pumpen brauchen heute ungefähr die Jahresproduktion des AKW Mühlebergs. Die Schweizer Stromer bauen, planen und projektieren weitere 8 Pumpspeicherwerke mit einer Gesamtleistung von 4600 MW. Bei dem heute üblichen Pumpbetrieb (29 Std/ Woche) werden all diese Pumpen jährlich gegen 10 Mia kWh Strom verbrauchen. Dies entspricht in etwa der Jahresproduktion von gut drei AKW Mühleberg oder dem Verbrauch von 1’800’000 Haushaltungen. Weil der Pumpstrom importiert wird, braucht es zusätzliche Hochspannungsleitungen.

Gletscher schmelzen

Gepumpt wird in der Nacht mit sogenanntem «Überschussstrom» aus nicht regulierbaren europäischen Atom- und Kohlekraftwerken. Dieser importierte Euromix-Strom ist massiv CO2-belastet und lässt in Europa die Atommüllberge wachsen. Das «Weisswaschen» von Kohle- und Atomstrom in unseren Alpen heizt unseren Gletschern kräftig ein: Werden die geplanten Pumpspeicher realisiert und wie heute mit Euromix-Strom betrieben, so verursacht der Pumpstrom im Ausland satte 4’000’000 Tonnen CO2. Das entspricht der Klimagasmenge, welche die Schweiz gemäss Kyotoverpflichtung seit 1990 einsparen sollte – und noch heute weit davon entfernt ist. Wer Pumpspeicher baut, braucht weiterhin «Überschussstrom». Der kommt auch in nächster Zukunft vorwiegend aus Atom- und Kohlekraftwerken.

Ausbau ist unnötig

Weder die viel besungene «Versorgungssicherheit», noch die Netzstabilität, noch der europäische Windboom und auch nicht der Ausbau der erneuerbaren Energien im Inland machen den Ausbau der heutigen Pumpspeicherkapazitäten in unseren Alpen nötig. Der geplante Ausbau ist einzig und allein betriebswirtschaftlich motiviert. Der Unterschied zwischen Bedarfsspitze und Bedarfsflaute in der Schweiz liegt zwischen 1900 MW und 3400 MW pro Tag. Diese Leistungsdifferenzen werden mit Speicher- und Pumpspeicherkraftwerken abgedeckt, welche zusammen eine Leistung von 9650 MW haben. Die variablen Reserven der Schweiz sind also bereits heute mehr als gross genug.

Morgen ein Verlustgeschäft?

Heute ist die Pumpspeicherung für die Stromwirtschaft ein gutes Geschäft. Die «Stromveredelung» lohnt sich ab einer Marge von 30%. Wird die Preisdifferenz zwischen billigem Nachtstrom und Tagesspitzen kleiner, so können die Stromverluste (20-30%) nicht mehr gedeckt werden. Und genau das könnte gemäss einer Studie der ETH Zürich in Zukunft eintreten. Einerseits weil durch das Abschalten alter Kohle- und Atomkraftwerke das Angebot an überschüssiger Bandenergie in Europa abnehmen wird und andererseits die Spitzennachfrage in Italien zunehmend mit italienischen Gaskraftwerken abgedeckt werden wird. Sitzen also unsere Stromer plötzlich wieder auf gestrandeten Investitionen in Milliardenhöhe?

» Flyer «Wasserkraft ist nicht gleich Wasserkraft», Fakten zur Pumpspeicherung, März 2012.