Die Mär von der «Stromlücke»
- Neue AKW brauchen «Stromlücken»
- Der Markt kennt keine Lücken
- Die «Stromlücke» ist eine Chance
Neue AKW brauchen «Stromlücken»: In den Diskussionen um die künftige Stromversorgung der Schweiz taucht ein Begriff regelmässig auf: die «Stromlücke». Das war in den 70er und 80er Jahren so. So war es anfangs der 90er Jahre und so ist es auch heute wieder. Immer ging und geht es dabei um die Frage, ob die Schweiz neue Atomkraftwerke braucht oder nicht. Um deren Notwendigkeit zu begründen, schickt die AKW-Lobby (Nuklearforum Schweiz, VSE, Swissnuclear) jeweils das Gespenst der Stromlücke gezielt auf die Reise durch Amtsstuben, Medienredaktionen, Expertenbüros, Wohn- und Schulzimmer. Die Botschaft «Ohne AKW gehen uns die Lichter aus» wird so in den Köpfen eingepflanzt – und ist falsch. Die «Stromlücke» ist bis heute nicht eingetreten.
Der Markt kennt keine Lücken: In einem offenen Strommarkt kann es gar keine «Lücke» geben. Zeichnet sich Stromknappheit ab, steigt der Preis und damit auch der wirtschaftliche Anreiz, Strom viel effizienter zu nutzen. Dass dies ein lukratives Geschäftsfeld ist, haben mittlerweile auch Konzerne wie ABB erkannt. Neue Anbieter werden dann auch in schnell realisierbare Stromproduktion aus erneuerbaren Energien oder dezentraler Wärmekraftkopplung investieren.
Die vermeindliche «Stromlücke» ist eine Chance: Das Wort «Stromlücke»beschreibt einen simplen technischen Sachverhalt: Wenn der Stromverbrauch weiterhin im Ausmass der vergangenen Jahrzehnte ansteigt, wird ab dem Jahr 2020 der Stromverbrauch grösser sein als die inländische Stromproduktion. In diesem Zeitraum müssen nämlich die alten AKW Beznau 1+2 und Mühleberg nach 50 Betriebsjahren (endlich) stillgelegt werden. Und ab 2016 laufen auch die ersten Bezugsrechte für französischen Atomstrom aus (total ca. 15 Mia. kWh pro Jahr). Wie gross die Differenz zwischen Stromproduktion und -verbrauch bis 2035 wird und wie sie ausgeglichen werden kann, hat der Bund mit seinen Energieperspektiven eingehend untersucht. Das Fazit des Bundesamtes für Energie lautet: Mit massiv verbesserter Stromeffizienz, mehr Strom aus erneuerbaren Energien und mehr dezentraler Wärmekraftkopplung gibt es keine «Stromlücke». Neue Atom- und Gaskraftwerke sind mit dieser Strategie nicht nötig. Nötig ist hingegen entschlossenes politisches Handeln für mehr Energieeffizienz und mehr erneuerbare Energien.
