Die Kantone sind die Treiber und Gewinner der Energiewende

Medienmitteilung, Zürich, 16. Juni 2014 – Energiepolitisch, versorgungstechnisch und volkswirtschaftlich ist die Energiewende ein Gewinn für die Schweiz. Bis ins Jahr 2035 könnte der Energie-Import massiv reduziert werden – und damit auch der Mittelabfluss ins Ausland von 13 auf knapp 2 Milliarden jährlich verringert werden. Das ist das Resultat einer Studie, welche die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW im Auftrag der Schweizerischen Energie-Stiftung SES gemacht hat. Treiber und Gewinner der Energiewende sind die Kantone: Sie können mit Leistungsaufträgen oder Energiesteuern den Weg ebnen und profitieren von der lokalen Wertschöpfung.

» Neues Tool zum Wirtschaftsfaktor Energiewende in den Kantonen auf der Website der Schweizerischen Energie-Stiftung SES
» Studie der ZHAW als PDF
» Begleitende Broschüre der Schweizerischen Energie-Stiftung SES als PDF

» Zur Veranstaltung vom 17. Juni 2014 (inkl. Referate)

Fast ein Fünftel des Bundesbudgets 2014 gibt die Schweiz für vor allem fossile Energieträger aus dem Ausland aus. Das sind knapp 13 Milliarden Franken, die aus der Schweiz abfliessen. Bei einheimischen erneuerbaren Energien und Effizienz wird die Wertschöpfung fast gänzlich im Inland generiert.

280 Milliarden für Investitionen in die Energiewende
Mit der konsequenten Umsetzung der Energiewende könnte bis ins Jahr 2035 der Import von Energie von heute 80 % auf 11 % reduziert werden – und die Ausgaben im Ausland von 13 auf knapp 2 Milliarden Franken. Bis 2050 summiert sich die Reduktion des Mittelabflusses auf 280 Milliarden Franken. Dieser Betrag kann für Investitionen in die Energiewende zur Verfügung stehen.

1622 Franken pro Jahr und Kopf für Energie aus dem Ausland
Im Auftrag der Schweizerischen Energie-Stiftung SES hat die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW den Energieverbrauch und daraus abgeleitet den Mittelabfluss der Kantone berechnet: Pro Kopf werden in der Schweiz pro Jahr 30.8 Megawattstunden (MWh) verbraucht und dafür fliessen jährlich 1622 Franken pro Kopf ins Ausland.

Verdichtetes Bauen ist energetisch sinnvoll
Die kantonalen Unterschiede sind markant. In Stadtkantonen wie etwa Genf leben überdurchschnittlich viele Menschen in Mehrfamilienhäusern – im Schnitt elf Personen pro Haus – und der Energieverbrauch für den Haushalt ist entsprechend gering. In ländlichen Kantonen wie etwa Graubünden teilen sich nur drei Personen ein Haus, ihr Energieverbrauch ist über viermal so hoch.

Wenig Heizölverbrauch dank Fernwärme
Klassische Ferienkantone nutzen wegen der vielen Zweitwohnungen übermässig viel Elekrizität zum Heizen. Basel-Stadt wiederum setzt auf Fernwärme und hat den tiefsten Heizölverbrauch in der Schweiz und die wenigsten Elektrowiderstandsheizungen.

Rund 100 mal mehr Geld für Import als für die Förderung der Erneuerbaren
Von Kanton zu Kanton sehr unterschiedlich ist auch das Verhältnis zwischen den Ausgaben für ausländische – v.a. fossile – Energieträger und den Förderbeiträgen für einheimische Erneuerbare und Energieeffizienz. Schweizweit wird rund 100 mal mehr Geld für den Import denn für Zuschüsse in die Energieeffizienz und einheimische Produktion ausgegeben. Im Kanton Schaffhausen liegt dieses Verhältnis bei lediglich 18, im Kanton Neuenburg jedoch bei 445.

Reduktion des Mittelabflusses ins Ausland
Eine Verbesserung dieses Verhältnisses hat für jeden Kanton einen doppelt positiven Effekt: Von der Förderung der erneuerbaren Energien und Effizienz profitiert die hiesige Volkswirtschaft, gleichzeitig werden auch die Importe und damit der Mittelabfluss ins Ausland reduziert.

Vermehrt lokale Produktion und Konsumation
Für die Schweizerische Energie-Stiftung können die Kantone die wesentlichen Treiber der Energiewende sein: Als Besitzer der meisten Stromversorgungsunternehmen können sie mit klar definierten Leistungsaufträgen und Eigentümerstrategien den Weg zur Energiewende ebnen. Sie können mit verschärften Mindeststandards den Energieverbrauch im Gebäudesektor drosseln und mit Energiesteuern und Lenkungsabgaben die Richtung zu lokaler Produktion und Konsumation vorgeben.

Energiewende steigert lokale Wertschöpfung
Für Felix Nipkow, Projektleiter Strom&Erneuerbare bei der Schweizerischen Energie-Stiftung SES, steht fest: «Die Kantone sind die eigentlichen Gewinner der Energiewende, denn: Die Wende steigert die lokale Wertschöpfung.»

Die Energiewende ist für die Kantone in jeder Hinsicht profitabel – energiepolitisch, versorgungstechnisch und volkswirtschaftlich!

Mehr Informationen
Felix Nipkow, Projektleiter Strom&Erneuerbare
Mobile: 077 413 24 31
Mail: felix.nipkow@energiestiftung.ch

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