Fragwürdige Vorgehensweise bei der Nagra

Zürich, 8. Oktober 2012 - Das Bundesamt für Energie BFE musste heute einen neuen Fahrplan für die Suche nach möglichen Standorten für Atommülllager-Oberflächenanlagen bekannt geben. Der Grund: Die Nagra hatte bei den ersten Standort-Vorschlägen wichtige Aspekte wie die Grundwasserwassergebiete nicht genügend miteinbezogen. Nach der Veröffentlichung der geheimen Lager-Dokumente in der gestrigen SonntagsZeitung ist dies ein weiterer Beweis für die zum Teil äusserst fragwürdige Vorgehensweise der Nagra. Die Schweizerische Energie-Stiftung SES fordert einmal mehr eine unabhängige und fachorientierte Entsorgungsorganisation für radioaktive Abfälle in der Schweiz.

Nachdem die Nagra anfangs Jahr mögliche Standorte für Oberflächenanlagen bekannt gegeben hat, zeigte sich, dass die Kriterien für die Standortareale nicht klar genug definiert wurden. So hat die Nagra zum Beispiel Oberflächenstandorte vorgeschlagen, die in Grundwassergebieten liegen, was von Experten stark kritisiert wurde. Das Bundesamt für Energie BFE muss deshalb die Standortsuche nochmals neu aufgleisen und den Fahrplan anpassen.

Neue Gefahrenquellen geschaffen
«Die Standorte für die Oberflächenanlagen eines Atommüll-Tiefenlagers bereits heute zu definieren ist grundsätzlich mehr als fragwürdig», sagt Sabine von Stockar, Projektleiterin der SES. «Niemand weiss zum heutigen Zeitpunkt, wo ein Tiefenlager dereinst gebaut werden kann. Dafür sind schlicht und einfach noch zu viele Fragen offen und insbesondere das geologische Wissen um die Gegebenheiten des Untergrunds sind in den meisten Gebieten mangelhaft». Von Stockar betont ausserdem, dass mit diesem Vorgehen eine weitere Gefahrenquellen geschaffen würde: Experten sind der Meinung, dass die sicherste Lösung eines Lager-Zugangs ein Schacht sei. Doch mit dem gewählten Verfahren wird es kaum möglich sein, dass die Oberflächenanlage und das Tiefenlager genau übereinander zu liegen kommen.

Die Schweizerische Energie-Stiftung SES fordert, dass die heutige, von den AKW-Betreiber abhängige Nagra abgeschafft wird. Eine Entsorgungsorganisation muss unbedingt unabhängig sein und fachliche Arbeit für ein möglichst sicheres Lager liefern, anstatt Politik zu betreiben.

Nagra nimmt Entscheide vorweg

Wie gestern in der Sonntagszeitung berichtet wurde, scheint die Nagra im Alleingang und schon heute entscheiden zu wollen, welche Standorte weiterverfolgt werden sollen. Als Verteidigung wird behauptet, es handle sich nur um ein Szenario von vielen - doch weitere Szenarien sind bis heute nicht bekannt. Damit arbeitet die Nagra nicht ergebnisoffen. Ausserdem zeigt sich damit definitiv, dass das Partizipationsverfahren als Alibiübung behandelt wird.

Weitere Informationen:
Sabine von Stockar, SES-Projektleiterin Strom&Atom 
Mobile: 079 223 56 86

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