Die Schweiz ist das Schlusslicht

SES-Medienmitteilung, 28. September 2012 - 

Die Produktion von Wind- und Sonnenstrom im Vergleich

Die Schweizerische Energie-Stiftung SES hat untersucht, wo die Schweiz im Vergleich mit umliegenden Ländern bei der Produktion von neuen erneuerbaren Energien steht. Das Resultat ist klar: Die Schweiz liegt – weit abgeschlagen – auf dem letzten Platz. Exemplarisch wurde die Stromproduktion aus Photovoltaik- und Windkraftwerken pro EinwohnerIn für das Jahr 2011 betrachtet.1

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Der Kurzfilm über den Ausbau der erneuerbaren Energien in Europa zeigt anschaulich, was die Schweiz verpasst.
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Schweizerinnen und Schweizer sehen sich gerne als innovatives und fortschrittliches Volk. Nicht ganz zu unrecht: Immerhin können sie mit Stolz auf ein im internationalen Vergleich gut ausgebautes öffentliches Verkehrssystem oder auf eine der höchsten Alu-Recyclingquoten blicken. Auch der Strommix ist nicht ohne: Dank der Pionierleistung einiger SchweizerInnen besteht er zu 55% aus Wasserkraft. Seither hat sich jedoch wenig getan: Weniger als 1% des Stroms besteht heute aus neuen erneuerbaren Energien.

Schweiz im Abseits?
Es stellt sich die Frage, wohin der Pioniergeist verflogen ist. In den letzten Jahren hat sich die Schweiz schwer ins Abseits manövriert, bei den neuen erneuerbaren Energien wie Photovoltaik und Windkraft markiert sie das Schlusslicht im europäischen Vergleich. Belgien, ein Land, das in letzter Zeit nicht mit politischer Stabilität glänzte, liegt nach Deutschland und Italien auf Platz drei im Gesamtranking. Sogar das einige Breitengrade nördlicher als die Schweiz gelegene Tschechien produziert pro EinwohnerIn 10mal mehr Strom aus Sonnenenergie als die Schweiz. Und auch Luxemburg lässt uns links liegen: Trotz ähnlich hoher Bevölkerungsdichte produziert das Binnenland rund 12mal mehr Windstrom pro Kopf.

Aufholen ist möglich!
In der Schweiz stehen rund 25 Quadratmeter (m2) Dachfläche pro EinwohnerIn zur Verfügung, die sich für eine solare Nutzung eignen. Würde knapp die Hälfte davon genutzt, so könnte ein Viertel des Schweizer Strombedarfs mit Photovoltaik gedeckt werden. Bis 2035 müssten jährlich 0,6m2 pro EinwohnerIn auf die Dächer geschraubt werden2. Das ist möglich! Deutschland hat von 2006 bis 2011 im Schnitt 1m2 pro EinwohnerIn und Jahr und das Bundesland Bayern im selben Zeitraum sogar knapp 2,5m2 pro EinwohnerIn und Jahr installiert. Der Schweizer Vorteil: Dank den Alpen, die Strahlungsverhältnisse wie in Spanien bieten sowie der südlicheren Lage verfügen wir über erheblich bessere Voraussetzungen als unser Nachbarland.

Politik muss umdenken
Das Rezept ist denkbar einfach: Um den Stromverbrauch decken zu können, muss die Produktion des Atomstroms mit erneuerbaren Energien und Stromeffizienz ersetzt werden. Der Zubau der neuen Erneuerbaren wird durch die Politik künstlich blockiert: Käme es zur «Entdeckelung» der kostendeckenden Einspeisevergütung KEV, so könnte die Warteliste abgebaut und in reale Stromproduktion umgewandelt werden. Heute (Stand 27. September 2012) stehen hier bereits 19'328 Photovoltaik- und 509 Windprojekte mit einem Produktionspotenzial von knapp 3 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr. Das entspricht der Jahresproduktion des AKW Mühleberg!

Die Schweizerische Energie-Stiftung SES fordert die Schweizer Politik und die Stromwirtschaft auf, beim Zubau erneuerbarer Energien endlich vorwärts zu machen. Wir wollen nicht das Schlusslicht bleiben!

Schweizer Energieversorger produzieren Dreck statt sauberen Strom
Im Juli 2012 hat die SES präsentiert, welcher Schweizer Energieversorger am meisten Dreck produziert. Berechnet wurde die Menge der entstandenen radioaktiven Abfälle, die Klimabelastung und die Umweltbelastung durch die Stromproduktion von Alpiq, Axpo, BKW und Repower im In- und Ausland. Den dreckigsten Strom produziert die Axpo. Bei keinem der vier grossen Schweizer Stromunternehmen spielt die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien eine wichtige Rolle.

» zur SES-Medienmitteilung «Axpo produziert den dreckigsten Strom»

Mehr Informationen:

  • Felix Nipkow, Projektleiter Strom&Erneuerbare
    Mobile: 077 413 24 31
  • Jürg Buri
    Mobile: 078 627 84 14


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1 Der Einfach- und Übersichtlichkeit halber sowie aufgrund der verfügbaren Daten (Quellenangaben siehe Infografik) wurden die Nachbarländer sowie einige weitere umliegende Länder in die Untersuchung einbezogen. Der Einbezug aller europäischen Länder würde das Ergebnis nicht verändern: Die Schweiz könnte höchstens einzelne Länder wie Rumänien oder Malta knapp schlagen. Alle anderen sind weiter als wir. So produziert z.B. Slowenien mit 29 kWh pro Kopf rund anderthalb mal so viel Strom aus Photovoltaik wie die Schweiz.
2 Ausgehend von heutiger Technologie und heutigen Einwohnerzahlen.

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