November-News aus Fukushima

4.11.2011 - Die Schweizerische Energie-Stiftung SES setzt sich dafür ein, dass der Super-GAU in Fukushima nicht vergessen geht. Dank der japanischen Fachjournalistin Kaori Takigawa dürfen wir Ihnen monatlich Aktualitäten & Hintergründe aus Japan liefern. Für Fragen oder Anregungen stehen wir per oder telefonisch unter 044 275 21 21 gerne zur Verfügung.

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Die Blog-Einträge im November

1. Atomstrom kostet inkl. Supergau bis zu 1 Fr./kWh
2. Wohin mit den Unmengen giftigem Atomabfall?
3. Dekontamination kostet über 313 Milliarden Franken
4. Entschädigung kostet mindestens 50 Milliarden Franken
5. Neue 30 Kilometer-Regel: 6mal mehr Personen evakuieren
6. Ist das Tokyoter Trinkwasser nuklear verseucht?
7. Cäsium 134 und 137 in Fischen gefunden
8. Die Präfektur Fukushima möchte definitiv aussteigen

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1. Atomstrom kostet inkl. Supergau bis zu 1 Fr./kWh
Die japanische Atomenergiekomission (AEC) hat die Kosten des Atomstroms inkl. Supergau auf Grund der Erfahrungen aus Fukushima neu berechnet. Sie kommt zum Schluss, dass aus einem solchen Unfall maximale Mehrkosten von 1,2 Yen pro kWh (ca. 1,3 Rp.) entstehen könnten. Die Grundlage der lächerlichen Berechnung: Die Eintretenswahrscheinlichkeit eines Supergaus wie in Fukushima sei 1:500, also 1mal pro 500 Jahre. Inbegriffen sind Kosten für Aufräumarbeiten und Entschädigungen für Produkte und Evakuierungen. Nicht inbegriffen sind: Dekontaminierung der niedrig verstrahlten Gebiete, Atommüllentsorgungen (mehr dazu siehe Beitrag 2), Kosten für weitere, vollständige Versicherungskosten sowie gesellschaftliche und gesundheitliche Langzeitfolgen. Diese unverantwortliche und unseriöse Berechnungsmethode erntet scharfe Kritik der Umweltorganisationen. Nach einer Berechnung der Umweltorganisation «e-shift» kostet die Entschädigung hingegen bis zur 92,9 Yen/kWh, also bis zu einem Franken pro Kilowattstunde. Teurer Strom also! (Quelle: niconiconews)

Die Schweizerische Energie-Stiftung SES kritisiert diese Berechnung und weist darauf hin, wie schwierig eine sichere  Atommüllentsorgung ist.

» zur japanischen Atomenergiekommission AEC
» zum aktuellen Stand der Atommüllentsorgung in der Schweiz

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2. Wohin mit den Unmengen giftigem Atomabfall?
44 Millionen Kubikmeter radioaktive Abfälle bleiben vom AKW Fukushima-Dajichi übrig. Ende Oktober hat die Regierung den Arbeitsplan für die Lagerung der radioaktiven Abfälle veröffentlicht. Die Abfälle sollen erst drei Jahre in kurzfristige Lager, danach für 30 Jahre in Zwischenlager kommen. Dieses soll in der Präfektur Fukushima zu stehen kommen und auf einer Fläche von rund fünf Quadratkilometern mit einem Volumen von 28 Millionen Kubikmetern gebaut werden. (Quelle: Mainichishinbun, japanische Tageszeitung)

Die Schweizerische Energie-Stiftung SES weist darauf hin, dass es  weltweit kein einziges sicheres Langzeit-Atommülllager» gibt.

» zum aktuellen Stand in der Schweiz

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3. Dekontamination kostet über 313 Milliarden Franken
Ursprünglich wollte die japanische Regierung nur das Gebiet mit einer zusätzlichen Strahlung von über 5 Millisievert pro Jahr dekontaminieren. Doch dagegen regte sich der Wiederstand. Daraufhin entschied die Regierung, alle Gebiete mit Belastungen über 1 Millisievert pro Jahr zu dekontaminieren. Das heisst, zu den ursprünglich vorgesehenen fünf Präfekturen kämen weitere fünf dazu, ebenso Teile Tokyos. Die Kosten werden auf ca. 28'000 Mrd. Yen (ca. 313,6 Mrd. CHF) geschätzt. Bisher galt in Japan ein Grenzwert für Strahlungsbelastung von einem Millisievert pro Jahr. Die staatliche Kommision für Strahlenschutz hält die Einhaltung dieses Grenzwertes für sehr schwer. Deshalb empfahl sie Mitte Oktober der Regierung den Zielwert auf zwischen 1 und 20 Millisievert pro Jahr zu erhöhen. Pfui! findet die Schweizerische Energie-Stiftung SES. Diese menschenverachtende Logik erntet viel Kritik in der Gesellschaft.

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4. Entschädigung der Bevölkerung kostet bis Frühling 2013 gut 50 Milliarden Franken
Tepco muss Geschädigten bis Ende März 2013 eine Entschädigung von 4500 Mrd. Yen (ca. 50,4 Mrd. CHF) bezahlen. Dieses Geld will Tepco durch Kosteneinsparung von ca. 2545 Mrd. Yen (28 Mrd. CHF) in den nächsten 10 Jahren erreichen. Dafür sollen  7400 Mitarbeitern (ca. 14% aller Mitarbeiter) entlassen werden, es wird zu Lohnsenkungen und Verminderung der Renten kommen und weiter sollen Immobilien, Firmenanteile und Aktien verkauft werden. Schade, leiden immer die falschen!

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5. Neue 30 Kilometer-Regel: 6mal mehr Personen evakuieren
Die staatliche Kommission für Atomsicherheit NSC möchte die allgemeine Schwerpunktzone und das Evakuierungsgebiet bei einer Atomkatastrophe auf einen Radius von 30 Kilometern Entfernung vom Reaktor erweitern. Bisher galten 8 bis 10 Kilometer Radius. Durch diese Änderung werden 3mal mehr Gemeinden einbezogen, sowie 6mal mehr Personen. Bleibt zu hoffen, das ein solcher GAU nicht mehr vorkommt!

» Zur Website der staatlichen Kommission für Atomsicherheit NSC

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6. Ist das Tokyoter Trinkwasser nuklear verseucht?
In der Agglomeration Tokyo sind mehrere Hotspots, also Strahlungskonzentrationen, zu finden. Besonders besorgniserregend ist die Region Okutama, ein Berggebiet westlich von Tokyo. Dort befinden sich die Trinkwasserquellen der Metropole. In dieser Region werden Strahlungswerte bis zu 300’000 Bq/m2 gemessen. Diese dramatischen Werte entsprechen jenen der kontaminierten Zonen im Raum Tschernobyl (Quelle: Shuprenews).

» Zur aktuellen, detallierten Strahlungskarte der 22 Präfekturen Ostjapans

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7. Cäsium 134 und 137 in Fischen gefunden
Am 20. Oktober hat Greenpeace Japan verschiedene Fische aus Häfen der japanischen Ostküste in Supermärkten in der Regionen Tokyo und Miyagi getestet. In 34 von 60 Proben wurde Cäsium 134 und 137 gefunden. Allerdings sind alle Proben unter dem gesetzlichen Grenzwert. Greenpeace Japan verlangt vom Ministerium für Landwirschaft, Waldwirtschaft und Fischerei sowie vom Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Wohlfahrt eine konsequente Deklaration der Strahlenwerte und der Fischereigebiete. Greenpeace Japan hat auch Gespräche mit fünf grossen Detailhändlern geführt, um zu erreichen, dass diese selbstständig Kontrollen durchführen, höhere Sicherheitskriterien setzen und die Erzeugnisse klar deklarieren. Bisher hat nur der Konzern Aeon diese Forderung angenommen. (Quelle: Greenpeace Japan)

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8. Die Präfektur Fukushima möchte definitiv aussteigen
Nur 10 von 54 japanischen AKW waren im Oktober am Netz. Trotzdem konnte die Stromversorgung gewährleistet werden. Am 20. Oktober hat das Parlament der Präfektur Fukushima eine Petition aus der Bevölkerung angenommen, die verlangt, die zehn Atomkraftwerke in der Provinz endgüldig abzuschalten. 53 von 58 anwesenden ParlamentarierInnen waren dafür, fünf haben vor der Abstimmung den Saal verlassen. Das ist die erste Ausstiegs-Entscheidung in den 13 Präfekturen, in denen AKW stehen.

Zusammengestellt von Kaori Takigawa

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