Fukushima-News: Japan braucht keine AKW

Zürich, 5. Oktober 2011 - Zur Zeit sind in Japan gerade mal 11 von 54 Atomkraftwerke in Betrieb. Vom 1. Juli bis am 9. September 2011 mussten deshalb japanische Grossverbraucher in Nord-Honshu Strom sparen. Ziel war es, 15% weniger als 2010 zu verbrauchen. Dieses Ziel wurde um ein mehrfaches getoppt, so konnte der grosse Telekommunikations-Konzern SOFTBANK durchschnittlich 39% Strom sparen und auch die CITIBANK hat sowohl im Headquarter in Tokyo als auch in allen Niederlassungen in der Kanto-Region 19% Strom eingespart.

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Die japanische Regierung hatte in einer Verordnung eine Begrenzung des Stromverbrauchs vom 1. Juli bis am 9. September 2011 tagsüber verfügt. Dazu verpflichtet waren die Grossverbraucher im Versorgungsgebiet von TEPCO und TOHOKU ELECTRICITY (Nord-Honshu). Sie mussten den maximalen Strombedarf tagsüber um 15% im Vergleich zum Vorjahr 2010 reduzieren. Die Bevölkerung wurde zwar zum Stromsparen aufgefordert, aber nicht ausdrücklich verpflichtet. Ursprünglich war die Verpflichtung für die Firmen bis am 22. September angeordnet, doch wurde sie vorzeitig aufgehoben, weil die Sommertemperaturspitzen (in Japan wird viel gekühlt) schon abgeklungen waren. In dieser ganzen «Stromsparzeit» sind nirgends in Japan die Lichter ausgegangen. Viele Firmen haben enorme Sparerfolge erreicht. Beispielsweise hat der grosse Telekommunikationskonzern SOFTBANK in seinen Büros insgesamt durchschnittlich 39% Strom gespart. Ein anderes Beispiel: Die CITIBANK hat sowohl im Headquarter in Tokyo als auch in allen Niederlassungen in der Kanto-Region 19% eingespart.

Japan braucht keine Atomkraftwerke
Ursprünglich hatte TEPCO für diesen Sommer einen maximalen Strombedarf von 55 GW geschätzt. Ihre Versorgungskapazität Ende Juli 2011 betrug über 56 GW. Der tatsächliche maximale Leistungsbedarf zeichnete am 18. August 49,2 GW. Nur an einem Tag des ganzen Sommers wurde die 90%-Marke überschritten. Entgegen der Warnkampagne von TEPCO hat es im ganzen Sommer nie eine Stromlücke gegeben. Dies einerseits dank konsequentem Stromsparen der KonsumentInnen. Andererseits wird heute von verschiedenen Seiten kritisiert, dass die ganze Übung übertrieben war und es genügt hätte, einige Stromspitzen zu brechen. Insgesamt besitzt TEPCO 17 AKW, davon waren in diesem Sommer nur 4 in Betrieb. Es konnten sogar Stromüberschüsse an TOHOKU ELECTRICITY verkauft werden - keines der 4 AKW von TOHOKU ELECTRICITY war in Betrieb.

Zur Zeit sind in Japan 11 von insgesamt 54 Atomkraftwerke in Betrieb. Zusätzlich werden bis Ende Jahr 5 AKW wegen periodischer Kontrolle stillgelegt. Die letzten 6 AKW gehen 2012 in Kontrolle. Dies könnte bedeuten, dass wegen Sicherheitsmängel, Nachrüstungen und Widerstand der lokalen Bevölkerung Ende 2012 in Japan kein einziges AKW mehr am Netz wäre. Nach aktuellen Berechnungen von ISEP (Institute for Sustainable Energy Politics) kann sich Japan ohne ein einziges AKW mit dem bestehenden Kraftwerkspark ausreichend mit Strom versorgen. Die Zahlen: Der maximale Leistungsbedarf Japans beträgt 170 GW. Die Versorgungskapazität ohne AKW (inkl. Pumpspeicherwerke) liegt bei 181-190 GW. Nicht mitgerechnet sind eigene Leistungsreserven grosser Firmen in Form von fossil betriebenen Generatoren, welche eine zusätzliche Leistungskapazität von 32,4 GW aufbringen.

Wie sind derart überrissene Versorgungskapazitäten überhaupt möglich und verständlich? Die Schwankungen des Strombedarfs in Japan sind jahreszeitlich enorm: der höchste Bedarf liegt im Sommer, wenn alle Gebäude für wenige Stunden am Tag gekühlt werden. Die Stromerzeugungs-Kapazitäten sind diesen Spitzen angepasst. Es gibt auch keine Konkurrenz auf dem japanischen Strommarkt. Die Kosten für die enormen Überkapazitäten – viele Standby-Anlagen – werden auf die Kunden abgewälzt. Dadurch hat Japan mit die teuersten Strompreise weltweit. Doch allmählich wird auch der Bevölkerung klar, dass sie bisher angelogen wurde und die Versorgung des Landes mit ausreichend Strom auch ohne AKWs gewährleistet werden kann.

(Recherche: Kaori Nakigawa, SES)

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