Der Grüne Schein der Schweizer Stromriesen
19.03.2009. Die BKW FMB Energie AG und die Alpiq Gruppe haben diese Woche anlässlich ihrer Bilanzmedienkonferenzen die Resultate des Geschäftsjahres 2008 präsentiert. Aus Sicht der Allianz «Nein zu neuen AKW» unternehmen beide Stromkonzerne im Bereich der erneuerbaren Energien noch viel zu wenig. Gerade in der aktuellen Situation haben diese zusammen mit Massnahmen zur Förderung der Energieeffizienz das Potenzial, die Schweizer Wirtschaft anzukurbeln – und der Neubau von Atomkraftwerken wird überflüssig.Fokus nur scheinbar auf neuen erneuerbaren Energien
Gemäss Medienmitteilung hat die EOS den «Fokus auf neue erneuerbare Energien» gelegt. Auch die BKW verkündet für das Jahr 2008 eine Verdoppelung der Stromerzeugung im Bereich der neuen erneuerbaren Energien. Die Allianz «Nein zu neuen AKW» begrüsst das Engagement der Stromkonzerne in diesem Bereich. Sie stellt allerdings fest, dass dieses Engagement im Vergleich zu den übrigen Geschäftsfeldern noch äusserst marginal ist: So machen die neuen Erneuerbaren im Falle der BKW gerade einmal 0,1 Prozent des gesamten Stromabsatzes oder knapp 0,4 Prozent der im Inland abgesetzten Strommenge aus. Aus den Kennzahlen 2008 der Alpiq Gruppe ist der Anteil der erneuerbaren Energien leider nicht ersichtlich.Finanz- und Wirtschaftskrise trifft Entsorgungs- und Stilllegungsfonds
Die Entwicklung auf den internationalen Finanzmärkten wirkt sich auf die Jahresergebnisse der Stromunternehmen aus – und auch auf die Stilllegungs- und Entsorgungsfonds der AKW-Betreiber! 2008 sind bis zu 1 Mrd. CHF «verdampft». Heute befinden sich in den Fonds rund 3,4 Mrd. CHF der budgetierten 8,2 Mrd. CHF, welche die Stilllegung und den Abbruch von ausgedienten AKW sowie die Entsorgung der dabei entstehenden Abfälle decken sollen. Leo Scherer, Atomexperte bei Greenpeace und der Allianz «Nein zu neuen AKW» kommentiert diesen Tatbestand: «Die Schweizer Fondslösung ist an sich schon fragwürdig. Heute kommt die Unsicherheit dazu, ob auch nach der Finanzkrise die benötigten Mittel für die Stilllegung und Entsorgung der AKW garantiert sind.» Beim AKW Mühleberg, dessen Betriebsbewilligung 2012 ausläuft, fehlen momentan zum Beispiel mehr als 225 Mio. CHF für den Rückbau. Diese Entwicklung ist aus Sicht der Allianz «Nein zu neuen AKW» bedenklich: Obwohl das Geld für den Rückbau der bestehenden Atomanlagen und für die Entsorgung des Atommülls fehlt, wollen die grossen Schweizer Stromkonzerne die Atomkraft in der Schweiz ausbauen – wie die drei hängigen Rahmenbewilligungsgesuche zeigen.
Die Zukunft ist erneuerbar
Gerade in Zeiten einer rückläufigen Wirtschaftsentwicklung haben erneuerbare Energien und Energieeffizienz das Potenzial, die Konjunktur im Wirtschaftsstandort Schweiz wieder anzukurbeln. In Deutschland wird der Sektor erneuerbare Energien schon 2015 mehr Arbeitsplätze bieten als die ganze Autoindustrie. Ähnliches ist mit den nötigen Rahmenbedingungen für die Schweiz zu erwarten.
Kontakt Allianz «Nein zu neuen AKW»:
Jürg Buri, Geschäftsführer Schweizerische Energie-Stiftung SES, Präsident der Allianz «Nein zu neuen AKW»
E-Mail: juerg.buri@energiestiftung.ch
Mobile: +41 (0)78 627 84 14
Christian van Singer, Sortir du nucléaire, Vizepräsident der Allianz «Nein zu neuen AKW»
E-Mail: christian.vansinger@parl.ch
Mobile: +41 (0)78 793 61 78
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