CH-Klimapolitik: Aussen fix und Innen nix?

25. 09. 2007 Die Schweizerische Energie-Stiftung SES ist erfreut, dass sich Umweltminister Moritz Leuenberger an der UNO-Klimakonferenz in New York für einen globalen Klimaschutz einsetzt. Gleichzeitig ist die SES besorgt über die aktuelle Entwicklung der klimapolitischen Diskussi-on in der Schweiz. Statt die Erreichung der Klimaziele bis 2012 im Inland auf Kurs zu bringen, schlägt uns die Wirtschaft vor, den schweizerischen Klimaschutz ab 2012 im Ausland statt-finden zu lassen. SES-Geschäftsführer Jürg Buri meint dazu: „Die Wirtschaft sollte begreifen, dass Klimaschutz im Inland vorteilhafter ist als der Kauf von Auslandzertifikaten“. Eine heute in Deutschland veröffentlichte Studie von McKinsey bestätigt dies.

Globaler Einsatz der Schweiz für das Klima ist wichtig: 75% der CO2-Emissionen werden von Industrieländern verursacht.Die Schweiz befindet sich, rechnet man den importierten Anteil des CO2-Ausstosses mit ein, mit 10.6 Tonnen unter den schlimmsten Problemverursachern[1]. Deshalb ist es richtig, dass auch die Schweiz ihren gerechten Beitrag zur Problemlösung leistet und unser Land auf globaler Ebene eine aktive Rolle im Klimaschutz spielt.

Die Klimapolitik im Inland ist nicht auf Kurs: Die Schweiz liegt gegenwärtig weit hinter den gesetzlich verankerten Reduktionszielen zurück. Statt die Umsetzung des CO2-Gesetzes voranzutreiben, fordern nun das Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) und die economiesuisse den Kauf von Emissionszertifikaten im Ausland. Damit soll der schweizerische Lösungsbeitrag zur globalen CO2-Reduktion primär in Schwellenländern stattfinden. Dieser Vorschlag ist nicht nur ungerecht und unrealisierbar, sondern auch volkswirtschaftlich unsinnig. Auslandzertifikate verschieben das Problem lediglich auf später. Denn der grösste Teil der CO2-Reduktion (75%) muss schliesslich in den Industrieländern geleistet werden.

Klimaschutz im Inland lohnt sich: Massnahmen im Inland, die zu mehr Energieeffizienz führen - beispielsweise Isolationen bei Gebäuden oder energiesparende Haushaltsgeräte – zahlen sich wirtschaftlich aus und führen zu einer dauerhaften CO2-Reduktion. Dies bestätigt nun auch eine brisante Studie von McKinsey, welche vom Bundesverband der Deutschen Industrie BDI in Auftrag gegeben wurde: Im Industrie-, Gebäude und Transportsektor können durch Effizienzoptimierungen (z.B. bei Energiesparmotoren, Unterhaltungselektronik oder Beleuchtung) jeweils über 150 Euro pro nicht ausgestossene Tonne CO2 eingespart werden.[2]

Die SES fordert die Wirtschaft und das seco auf, diese Fakten zu Kenntnis zu nehmen und die Dynamik in der Klimapolitik nicht länger mit Scheinlösungen zu bremsen.

Weitere Informationen:

Jürg Buri, Geschäftsleiter Schweizerische Energie-Stiftung SES

Mobile 078 627 84 14, Festnetz 044 271 54 64


[1] Zahlen von OECD und BUWAL, siehe http://assets.wwf.ch/downloads/8_weitentfernt_dt.pdf

[2] McKinsey & Co (2007): „Kosten und Potenziale der Vermeidung von Treibhausgasen in Deutschland“, www.bdi-online.de

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