Ratlose FDP braucht phantasielose AKW

01. 11. 2006 Die FDP hat es verpasst, die Weichen zu stellen. Noch vor wenigen Monaten stand im Aargau das Energieleitbild im Grossen Rat zur Diskussion, erarbeitet vom FDP-Regierungsrat Beyeler. Mangels Analyse wurde ein phantasieloses Papier erstellt, das in der Tat auf die gestellten Fragen keine Lösungen liefert. Effizienz und Erneuerbaren wurden vergessen. Darum erstaunt es nicht, dass die FDP nun mit Phantasielosigkeit brilliert und ein neues AKW fordert.
Die Schweiz hat keine Stromlücke, sondern eine Energielücke. Die schweizerische Energieversorgung stützt sich mit gut 71% auf fossile Energieträger (Öl, Gas), und zu rund 9% auf nukleare Energieträger. Insbesondere Öl und Gas werden zunehmend eine Problem: Bis heute haben wir in nur 150 Jahren rund 50% aller Fossilen Energieträger verzehrt.

Wer meint, dass sich diese Energielücke mit einem neuen AKW decken lässt, der täuscht sich gewaltig. Erstens fährt kein PW mit Atomenergie und zweitens ist auch das fossile Uran endlich. Abgesehen davon bleibt die Atomwirtschaft eine veraltete, stets mit grossen Gefahren verbundene Technologie, dessen Prozess aufwendig und gefährlich ist. Dazu würden täglich noch mehr Unmengen an schwer radioaktivem Müll hergestellt. Die Entsorgung des Atommülls ist hoch problematisch und ungelöst, da dieser für 1’000'000 Jahre vom Menschen ferngehalten werden muss. Mit einem neuen AKW verschieben wir das unangenehme Thema der Versorgung strahlenden Substanzen auf die folgenden Generationen, obwohl sie nie davon profitieren konnten.

Und die Alternative? Eine Studie, welche die SES zusammen mit weiteren Umweltverbände diesen Sommer veröffentlichte, zeigt den Weg auf: Statt neue Grosskraftwerke brauchen wir Grosstaten in der Einspar- und Effizienzpolitik sowie bei der Förderung von regenerativen Energien. Wir müssen aufbrechen in Richtung 2000 Watt Gesellschaft.

Die Einsparpotentiale sind enorm, insbesondere auch im Strombereich. Mit der Wegsanierung der Elektroheizungen kann man beispielsweise die Strommenge vom AKW Gösgen einsparen. Mit einem Stanby-Verbot bei Elektrogeräten würde Mühleberg überflüssig. Weitere grosse Potentiale liegen bei der Beleuchtung und in der Industrie.

Also. Wir können ohne Komfortverlust mit 40% weniger Energie auskommen und dabei ungefähr 10 Milliarden Franken sparen. Davon profitieren KonsumentInnen, die Wirtschaft, die öffentliche Hand und nicht zuletzt die Umwelt und das Klima. Dieser Weg schafft neue Arbeitsplätze und bringt ausgelagerte wieder zurück.

Wenn es um die Energielücke geht, ist ein neues AKW keine Lösung. Sondern die Fortschreibung einer nicht nachhaltigen, unsicheren und volkswirtschaftlich viel zu teuren Energiepolitik. Und das kann nicht im Sinne einer liberalen FDP sein. Die Schweizerische Energie-Stiftung SES empfiehlt der FDP nochmals über die Bücher zu gehen.

Weitere Informationen:
Jürg Buri
Geschäftsleiter Schweizerische Energie-Stiftung SES
MOBILE 078 627 84 14, FON 044 271 54 64
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